{"id":110,"date":"2022-01-28T10:12:16","date_gmt":"2022-01-28T01:12:16","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=110"},"modified":"2022-05-12T18:38:34","modified_gmt":"2022-05-12T09:38:34","slug":"%e3%82%a6%e3%83%b3%e3%83%81%e3%82%b1%e3%83%bc%e3%82%b5%e3%83%93%e3%83%a9%ef%bc%88%e3%81%94%e6%a1%88%e5%86%85%e3%81%97%e3%81%be%e3%81%99%e3%81%8b%e3%82%89%e3%81%94%e5%bf%83%e9%85%8d%e3%81%aa%e3%81%8f","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/110\/","title":{"rendered":"Unchike sabira  \u201eMach dir keine Sorgen, ich werde dich begleiten\u201c"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Vollst\u00e4ndige Ver\u00e4nderung des Alltags<\/p>\n<p>\u3000Am 27.Februar 1945 erhielten die Bewohner der Gemeinde Mawashi den Befehl, nach Oshikawa\u3000in Ogimi zu evakuieren. Die Bewohner von Yorimiya wurden von meinem Vater nach Oshikawa gef\u00fchrt. Mein Vater forderte mich auf mitzugehen, ich war aber gegen die Evakuierung und blieb alleine zur\u00fcck. Er sagte, dass er mich in zwei Wochen abholen kommen w\u00fcrde und ich mich bis dahin entscheiden soll. Die zwei Wochen vergingen, aber mein Vater kam nicht zur\u00fcck.<br \/>\n\u3000Am 23. M\u00e4rz begann dann der Artilleriebeschuss durch die amerikanische Navy. Die Sch\u00fclerinnen der Ersten Pr\u00e4fektur M\u00e4dchen-Oberschule wurden f\u00fcr das Studenten Korps zum Armeehospital in Haebaru einberufen. Zwei Tage sp\u00e4ter, erhielt meine beste Freundin Sada ebenfalls ihre Einberufung zum Studenten Korps und am 26. M\u00e4rz verabschiedete ich mich von ihr. Ich blieb alleine zur\u00fcck und fragte mich was ich jetzt tun soll. Die Kinjo Familie aus unsere Nachbarschaft\u3000schlug mir vor, zu ihnen zu kommen, da es f\u00fcr mich alleine im Bunker zu beschwerlich werden w\u00fcrde. Die Nagaoka Einheit, die Speziale Wachabteilung der 223. Kompanie, rekrutierte die \u00e4ltere Tochter der Kinjo Familie Nobuko f\u00fcr das Studenten Korps. Die Nagaoka Einheit war eine lokale Truppe, aber sie hatten keine Sanit\u00e4ter und keine K\u00f6che. Deshalb baten sie Nobuko um Hilfe und sie beriet sich mit ihren Eltern. Kommandant Nagaoka war der Priester des Ankoku-ji Tempels, Ausbilder f\u00fcr Wehrerziehung an der Ersten Pr\u00e4fektur Mittelschule und der ehemalige Lehrer ihrer Geschwister. Als Nobuko erfuhr, dass die Nagaoka Einheit von solch einer angesehen Person gef\u00fchrte wurde, schloss sie sich der Truppe an. Als ich davon h\u00f6rte, machte ich mir Sorgen dar\u00fcber, dass ich wieder alleine zur\u00fcckbleiben w\u00fcrde und bat darum, dass ich sie begleiten darf, auch wenn ich ihr damit vielleicht zur Last fallen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Eintritt in das Nagaoka Korps<\/p>\n<p>\u3000Am 31. M\u00e4rz 1945 trat ich zusammen mit Nobuko in das Nagaoka Korps ein. Zu diesem Zeitpunkt war ich 15 Jahre und 4 Monate alt. Als wir in die Einheit eintraten, befand sie sich in einer gro\u00dfen nat\u00fcrlichen H\u00f6hle in Shikina in Mawashi. Wir erhielten sofort eine Uniform, einen Stahlhelm, einen Kochtopf und fingen noch am selben Tag an beim Essen kochen zu helfen. Ich war noch ein Kind mit kleinen H\u00e4nden und konnte keine gro\u00dfen Onigiri (Reisball) kneten. Trotzdem habe ich mir alle M\u00fche gegeben und beim Kochen geholfen. Tags\u00fcber erhielt ich Unterweisung in Krankenpflege. Ein Sanit\u00e4ter unterrichtete mich zwei Wochen lang, lehrte mir die Benutzung des Dreieckstuches und Wundbehandlung.<br \/>\n\u3000Eines Abends, beim Wasser holen blickte ich in Richtung Westen aufs Meer und sah wie es sich von den amerikanischen Schlachtschiffen rabenschwarz f\u00e4rbte. Als es Nacht wurde, kamen die Geschosse des Artilleriefeuers hergeflogen. In\u3000der ersten Aprilwoche begannen die Kamikaze Flieger die amerikanischen Schiffe anzuvisieren. Die Suchscheinwerfer erhellten den Himmel wie zur Mittagszeit und strahlten die Kamikaze Flugzeuge, die mit heulendem Ger\u00e4usch aufs Meer flogen an. Bevor sie sich auf die amerikanischen Kriegsschiffe st\u00fcrzen konnten, wurden die heran fliegenden Kamikaze vom Kreuzfeuer erfasst und fielen ins Meer, wie Bienen die gegen ein Spinnennetz prallten. Selbst als Kind wunderte ich mich beim Anblick dieser Szenerie, wie Japan so den Krieg gewinnen will.<\/p>\n<p>Das Nagaoka Korps in Shuri<\/p>\n<p>\u3000Nach dem Anblick dieser Szenen, am 16. April, erhielten wir den Befehl zur Verlegung, weil sich die K\u00e4mpfe an der Shuri Front immer mehr versch\u00e4rften. Das Nagaoka Korps wurde zu einem H\u00fcgel namens Nachijinamui verlegt. Heute steht dort ein Hotel. Dort befand sich der Erste Zug der Granatwerfer unserer Einheit. Die Granatwerfer waren kaum ihren Namen wert und die Granaten flogen nicht sehr weit, aber sie geh\u00f6rten zu den wenigen Waffen, die wir hatten. Ansonsten besa\u00dfen wir nur noch Gewehre und Handgranaten. Das waren die einzigen Waffen, die wir in der japanische Armee zur Verf\u00fcgung hatte. Meine Aufgabe war es, Reis und Wasser zu einer Stellung mit 12 oder 13 Soldaten zu bringen. Beim Essen bringen sprang ich oft mit dem Essen im Arm in einen Graben, um dem Maschinengewehrfeuer der amerikanischen Jagdflieger zu entgehen. Nach und nach begriff ich den Zeitplan der Angriffe. Am fr\u00fchen Morgen und sp\u00e4ten Abend flogen keine Kugeln, darum versuchte ich so weit es ging das Essen zu bringen, wenn nicht geschossen wurde. \u3000\u3000Die Kriegslage verschlechterte sich von da an immer mehr und das Nagaoka Korps ging mit geb\u00fcndelten Handgranaten auf Nachtangriff, um die schlafenden amerikanischen Soldaten anzugreifen. Bei einem dieser Angriffe kehrten von den f\u00fcnf oder sechs Soldaten, die losgezogen waren nur einer oder zwei zur\u00fcck. Am Tag davor hatte ich mich noch mit ihnen unterhalten, aber bei ihrer R\u00fcckkehr waren es nur noch einer oder zwei. Die \u00dcberlebenden des ersten, zweiten und dritten Zuges des Nagaoka Korps erhielten vom Kommandeur den Befehl, sich am Ankoku-ji Tempel in der N\u00e4he des Shuri Castle zu versammeln. Auch wir zogen am Abend des 18. Mai zusammen mit dem Kommandeur zum Schutzbunker im Ankoku-ji Tempel.<br \/>\n\u3000Am 27. Mai erhielten wir den Befehl, als lokale Einheit die Stellung bis zum letzten Mann zu halten. Von diesem Zeitpunkt an k\u00e4mpften wir nicht mehr, sondern warteten im Bunker versteckt auf den Angriff der Amerikaner. So verging der n\u00e4chste Tag. Am fr\u00fchen Morgen des 29. Mai wurde der Bunker in dem wir uns versteckten von einem Panzergeschoss getroffen. Die Panzer n\u00e4herten sich und griffen mit Flammenwerfern an.\u3000Als N\u00e4chstes folgte ein weiterer Angriff mit Phosphorgranaten. Von dem Rauch erstickte ich beinahe und war kurz davor das Bewusstsein zu verlieren, als ich ein seltsames Ger\u00e4usch um mich herum wahrnahm. Es war das Ger\u00e4usch der Amerikaner, die versuchten ein Loch in den Bunker zu bohren. Ich h\u00f6rte die Stimme des Kommandeur. \u201eDas ist ein Umanori Angriff (aufs Pferd aufsitzen)\u201c, schrie er. Dann st\u00fcrzten die Felsen mit ohrenbet\u00e4ubendem L\u00e4rm ein. Die herabfallenden Felsbrocken wurden von den Regalen im Bunker abgefangen. Dadurch wurden wir nicht direkt von ihnen getroffen und \u00fcberlebten.<br \/>\n\u3000Ich weiss nicht, wie viele Stunden nach dem Umanori Angriff vergangen waren. Nachdem sich das Gas und der Rauch im Bunker verzogen hatte, flohen die \u00dcberlebenden nach drau\u00dfen. Der Kommandeur rief mich: \u201eKomm hier her. Halte dich an meinem G\u00fcrtel fest\u201c. Er nahm sein gro\u00dfes japanisches Schwert vom G\u00fcrtel und legte es auf den Boden. Ich antwortete: \u201eJa\u201c, griff seinen G\u00fcrtel und wir liefen los. Als ich im Glanz der Leuchtgeschosse auf der R\u00fcckseite des Bunkers heraustrat, bot sich mir ein grauenvoller Anblick und ich schauderte am ganzen K\u00f6rper. K\u00f6pfe waren durch die Luft geschleudert worden und klebten an dem W\u00e4nden des Bunkers, abgetrennte Arme und Beine hingen herab. Zu meinen F\u00fc\u00dfen lagen Leichen mit heraush\u00e4ngenden Ged\u00e4rmen und ein Meer aus Blut breitete sich aus. Es regnete und ich wusste nicht, ob es Blut oder Wasser war, dass sich um meine F\u00fc\u00dfe sammelte. Ich trat auf etwas, von dem ich dachte es ist Fels, aber es war eine Leiche. Als ich meinen Fu\u00df auf den toten K\u00f6rper setzte, stolperte ich, lies den G\u00fcrtel des Kommandeurs los und fiel einen Abhang herab. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, lag ich zwischen lauter Leichen. Ob ich nach links oder rechts schaute, \u00fcberall waren Leichen, auch auf meinen Beinen lag eine Leiche. \u201eHier will ich auf keinen Fall sterben\u201c dachte ich. Ich kroch aus dem Leichenberg heraus in Richtung eines vom Licht der Leuchtgeschosse erhellten Gebietes. Amerikanische Soldaten n\u00e4herten sich und mir blieb keine andere Wahl, als mich wieder zwischen den Leichen zu verstecken und mich tot zu stellen.<br \/>\n\u3000Auf dem Weg nach S\u00fcden, ich war bereits bis in die N\u00e4he von Ichinichi-bashi gekommen, als pl\u00f6tzlich zwei japanische Soldaten aus einem Zuckerrohrfeld heraussprangen und mich festhielten. \u201eBleib stehen\u201c, riefen sie. \u201eWo kommst du her?\u201c, fragten sie und ich antwortete: \u201eAus Shuri\u201c. \u201eShuri ist bereits von den Amerikanern besetzt, du musst eine Spion sein\u201c, sagten sie und fragten mich erneut, wo ich herkomme. Ich erz\u00e4hlte ihnen dass ich am Ankoku-ji Tempel zusammen mit dem Nagaoka Korps angegriffen worden war. Das ich dabei von der Truppe getrennt wurde und ganz alleine bis hierher gelaufen war. Die beiden japanischen Soldaten fragten mich nach dem Namen des Kommandeurs. Ich antwortete \u201eHauptmann Nakaoka\u201c. Sobald sie nur das Wort \u201eHauptmann\u201c h\u00f6rten, sagten sie: \u201eDer Hauptmann ist vor vier Stunden hier durchgezogen\u201c, und erkl\u00e4rten mir den Weg.<\/p>\n<p>In Richtung S\u00fcden auf der Suche nach dem Nagaoka Korps<\/p>\n<p>\u3000Vom Dorf Tsukayama lief ich viele Tage in Richtung S\u00fcden, um wieder zur Nagaoka-Einheit zu sto\u00dfen. Ich erfuhr, dass die Gruppe mit Kommandeur Nagaoka in der Todoroki H\u00f6hle in Itoman untergekommen war. Ich erreichte die Todoroki H\u00f6hle am 4. oder 5. Juni. Als ich in den hinteren Teil der H\u00f6hle ging, waren dort Leute von der Pr\u00e4fekturpolizei Okinawa, der Polizeistation Shuri und der Pr\u00e4fekturregierung. Eine gro\u00dfe Anzahl an Truppen und Zivilisten waren in der H\u00f6hle evakuiert. Es gab einige Verletzte im Nagaoka Korps, aber gut 40 M\u00e4nner hatten es geschafft lebend aus Shuri herauszukommen. Von der Tama-Division kam der Befehl, dass die \u00fcberlebenden Soldaten des Nagaoka Korps die Front in Kuniyoshi und Maezato unterst\u00fctzen sollen. Von den ungef\u00e4hr 20 M\u00e4nnern unserer Truppe, die sich dorthin auf den Weg machten, ist so gut wie keiner zur\u00fcckgekommen.<br \/>\n\u3000Wir zogen weiter in die Maya-gama H\u00f6hle und bleiben dort bis zum 22. Juni. Dort gab es nichts zu essen. Etwa 200 Einwohner aus Yamashiro und Uezato hatten in der H\u00f6hle Zuflucht gesucht, aber die japanischen Truppen hatten sie vertrieben und die H\u00f6hle f\u00fcr sich genutzt. In dem zur\u00fcckgelassenen Essgeschirr der vertriebenen Fl\u00fcchtlinge fingen wir die Wassertropfen in der Tropfsteinh\u00f6hle auf. Wir teilten das Wasser unter uns auf und tranken jeder einen kleinen Schluck. Wasser allein ist nicht genug und die Sanit\u00e4ter \u00fcberlegten, wie wir Salz zu uns nehmen k\u00f6nnen. In den W\u00e4nden der Tropfsteinh\u00f6hle gab es Steinkristalle, die Salz enthielten. Die zerbrachen wir in kleine St\u00fccke und nahmen sie in den Mund. So fliest der Speichel und man stirbt nicht am Hirntot hie\u00df es. Auf diese Art haben wir uns am Leben erhalten.<\/p>\n<p>Abschied vom Nagaoka Korps<\/p>\n<p>\u3000Am 22. Juni verstummten die Explosionsger\u00e4usche der Bomben und der Kanonendonner. Vom Meer her h\u00f6rten wir eine Durchsage. \u201eAn alle Einwohner, wer keinen Widerstand leistet wird nicht erschossen. Kommt mit erhobenen H\u00e4nden heraus\u201c. Von Morgens bis Abends h\u00f6rten wir diese Durchsage ununterbrochen. Es war noch Dunkel drau\u00dfen, als Hauptmann Nakaoka zu uns sprach: \u201eUnser letzter Befehl lautet einen Generalangriff auszuf\u00fchren, deshalb m\u00fcssen sich die Frauen und Kinder ergeben. Das ist ein Befehl und dem m\u00fcsst ihr gehorchen\u201c. Dann wandte er sich an seine Soldaten: \u201eIch danke euch f\u00fcr eure lange und harte Anstrengung\u201c, und sch\u00fcttelte jedem einzelnen in der fahlen Dunkelheit die Hand. Dabei sagte er: \u201eIhr seid noch jung. Ihr m\u00fcsst leben!\u201c, \u201eLebt und erz\u00e4hlt allen von dieser Schlacht. Ihr d\u00fcrft nicht sterben!\u201c.<\/p>\n<p>Wiedervereinigung mit der Familie im Internierungslager<\/p>\n<p>\u3000Danach verlie\u00dfen wir den Bunker und wurden gefangen genommen. W\u00e4hrend meines Aufenthaltes im Internierungslager Ishikawa, k\u00fcmmerten sich eine Menge Leute um mich. Die amerikanische Armee versorgte mich in einem Milit\u00e4rkrankenhaus, als ich mit hohem Fieber zusammenbrach. Sie schnitten mir die Haare, befreiten mich von den L\u00e4usen und wechselten meine verlauste Kleidung, die ich so lange Zeit getragen hatte. Ich war dankbar daf\u00fcr, dass ich wieder wie ein menschliches Wesen aussah. Das US Milit\u00e4r richtete in den besetzten Gebieten\u3000unverz\u00fcglich Schulen ein. W\u00e4hrend wir uns noch im Kriegsgebiet in Shimajiri befanden, fing in Ishikawa bereits der Unterricht an.<br \/>\n\u3000Eines Tages kam ein Verwandter, der als Kamikaze in die Mandschurei gegangen sein sollte, in einem amerikanischen Milit\u00e4rjeep ins Lager von Ishikawa gefahren. Sein Kamikaze Flugzeug st\u00fcrzte vor der K\u00fcste von Ie-jima ab und er wurde von den Wellen an Land gesp\u00fclt. Einwohner retteten ihn und behandelten seine Wunden in ihrer Notunterkunft. Er hatte f\u00fcr die Mandschurische Eisenbahngesellschaft gearbeitet und sprach sehr gut Englisch. Dass er flie\u00dfend Englisch und Japanisch sprach, erwies sich als sehr n\u00fctzlich bei der Belieferung der einzelnen Verteilerstationen. Er arbeite im Hauptquartier der US Armee f\u00fcr die Verteilung der Lebensmittelrationen. Er sagte zu mir: \u201eMorgen bringe ich dir Bleistift und Papier und du schreibst mir die Namen deiner Familie auf. Ich werde in allen elf Zivillagern nach ihnen suchen\u201c. Ich schrieb die Namen auf und einige Tage sp\u00e4ter holte er die Liste ab. In weniger als einem Monat erhielt ich einen Brief von meiner Mutter.<br \/>\n\u3000Meine Mutter und zwei meiner Schwestern verliessen, weil sie nicht zu essen und keine Unterkunft hatten, ihren Evakuierungsort. Sie \u00fcberquerten die Berge und den Okawa Fluss und wohnten in Sedake in Kushi. Sowie wir das herausgefunden hatten, bat mein Verwandter die amerikanischen Soldaten um eine Besuchserlaubnis f\u00fcr mich und als er sie erhielt, bestieg ich einen Lastwagen zur Proviant Lieferung. In diesem Moment war die Vorfreude meine Eltern wiederzusehen gr\u00f6\u00dfer als meine Angst vor den amerikanischen Fahrer. Am Verteilungszentrum in Sedake angekommen, lud er die Ladung ab und als er sah, wie ich tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mt meiner Mutter in die Arme fiel, fing er auch an zu weinen. Obwohl wir uns mit Worten nicht verst\u00e4ndigen konnten, weinten wir gemeinsam und ich dachte bei mir, dass die Menschen, egal aus welchen Land das gleiche f\u00fchlen, wenn sie ihre Eltern wiedersehen. Als wir wieder im Lager in Ishikawa zur\u00fcck waren, gab er mir eine T\u00fcte mit Kaugummi und anderen S\u00fc\u00dfigkeiten und half mir beim Aussteigen aus dem Truck. So wurde ich wieder mit meiner Familie vereint.<\/p>\n<p>Vom Internierungslager nach Komesu in Itoman<\/p>\n<p>\u3000Am 25. Januar wurden alle Einwohner von Mawashi in den S\u00fcden gebracht. Die Trucks hielten dort, wo heute der Konpaku Ged\u00e4chtnisturm in Komesu, Itoman steht. Wir sahen zu unseren F\u00fc\u00dfen herab, schauten um uns herum und \u00fcberall lagen menschliche Knochen verstreut. W\u00e4hrend wir dar\u00fcber nachdachten, warum sie uns an diesen Ort gebracht hatten und wie wir hier leben sollen, wurden wir aufgeteilt und mussten in kleine Zelth\u00fctten gehen. In eine dieser kleinen Zelth\u00fctten waren sechs Familien zusammen gepfercht.<br \/>\n\u3000Am n\u00e4chsten Tag versammelten sich alle Einwohner von Mawashi und der neue B\u00fcrgermeister sprach zu uns: \u201eMein Name ist Washin Kinjo, ich wurde zum B\u00fcrgermeister bestimmt. Wir sind hier, weil Mawashi von den Amerikanern als St\u00fctzpunkt genutzt wird und wir vorl\u00e4ufig nicht zur\u00fcck k\u00f6nnen. Wie ihr alle schon bemerkt habt, liegen hier \u00fcberall die Knochen und Gebeine der Gefallen verstreut. Keiner kann hier leben, w\u00e4hrend wir auf ihnen herum treten. Lasst uns als erste Aufgabe diese Knochen einsammeln. Ich habe mir \u00fcberlegt, dass von den Familien mit zwei Erwachsenen sich einer um die Nahrungsbeschaffung k\u00fcmmert und einer sammelt Knochen ein\u201c, sprach er zu uns.<\/p>\n<p>Einsammeln der Gebeine<\/p>\n<p>\u3000Sobald wir von der US Armee die Erlaubnis erhalten hatten, rekrutierten wir Mitglieder f\u00fcr das Knochensammel-Team. Zu Beginn fanden sich etwa 100 Leute, aber alle machten sich Sorgen dar\u00fcber, ob die amerikanischen Soldaten ihnen bei der Arbeit etwas antun w\u00fcrden. Andere meinten es liegen auch noch viele Blindg\u00e4nger herum, die sie nicht unterscheiden k\u00f6nnten und deshalb wollten sie nicht am Knochensammeln teilnehmen. Es blieben aber dennoch ungef\u00e4hr 100 Freiwillige \u00fcbrig, die sich in drei Gruppen aufteilten und mit dem Einsammeln der Gebeine begannen.<br \/>\n\u3000Zuerst wurden die Gebeine der eigenen Verwandten geborgen. Wenn man wusste, wo sie vergraben waren, sammelte man sie von dort ein. Danach begann das in drei Gruppen aufgeteilte Bergungsteam in Reihenfolge, von Gebiet zu Gebiet mit der Bergung der menschlichen \u00dcberreste.<\/p>\n<p>Beginn des Schullebens<\/p>\n<p>\u3000In der ersten Woche nach dem Umzug nach Komesu, mussten wir Sch\u00fcler das Anmeldeverfahren f\u00fcr den f\u00fcr den Wechsel an die Itoman High School durchlaufen. Wer vor dem Krieg zur M\u00e4dchenschule oder zu Junior High School gegangen war, wechselte zur Itoman High School. Das Knochensemmel-Team barg weiter Gebeine und wir gingen zur Schule. Es waren etwa 40 Sch\u00fcler aus unserer Gegend, darunter 12 M\u00e4dchen.<br \/>\n\u3000An unserem Schulweg in der N\u00e4he von Maezato befand sich der Ort an dem Generalleutnant Bruckner gefallen war. Eine gro\u00dfe Anzahl von US Soldaten der verschiedensten Rassen besuchte die Stelle. An ihren freien Tagen kamen sie, um am Gedenkstein dem Generalleutnant ihren Respekt zu zollen. Es passierte in der ersten Woche, in der ich zur Schule ging. Auf dem Heimweg begegneten wir einer Gruppe US Soldaten, die sich auf dem Weg zum Gedenkstein befanden. Pl\u00f6tzlich fingen f\u00fcnf von ihnen an uns zu verfolgen und h\u00e4tten beinahe zwei M\u00e4dchen geschnappt. Die Jungen nahmen sich Steine vom Acker und warfen sie auf die amerikanischen Soldaten. Einer wurde am Kopf getroffen und sie liefen davon. Die Jungen nahmen die betroffenen M\u00e4dchen an die Hand und begleiteten sie sicher nach Hause. Als wir unseren Eltern davon erz\u00e4hlten, erwiderten sie: \u201eIhr habt euer Leben im Krieg nicht daf\u00fcr behalten, um es jetzt auf dem Schulweg zu verlieren. Die M\u00e4dchen gehen von jetzt ab nicht mehr zur Schule\u201c. So kam es, dass vorl\u00e4ufig nur noch die Jungen weiter zur Schule gingen.<br \/>\n\u3000In den folgenden zwei Wochen verrichteten wir M\u00e4dchen verschieden Arbeiten. Die vielen Kriegswaisen hatten nichts zum Anziehen. Da es im Januar zu kalt war, um ihn nackt zu verbringen, h\u00fcllten sich die Waisenkinder in alles was sie finden konnten und sa\u00dfen irgendwo herum. Uns wurde gesagt, dass wir HBT Uniformen (Arbeitsuniformen der US Armee) besorgen und aus dem Stoff passende Kleidung f\u00fcr die Waisenkinder n\u00e4hen sollen. Also n\u00e4hten die Sch\u00fclerinnen alle Kinderkleidung.<br \/>\n\u3000In der Zwischenzeit wurde eine Zweigschule der Itoman High School f\u00fcr den Bezirk Mawashi eingerichtet. Die Schule begann mit dem Schulleiter und drei Lehrern f\u00fcr Mathematik, Japanisch und Englisch. Der Unterricht fand in den Abendstunden statt, weil wir tags\u00fcber Gebeine einsammelten.<\/p>\n<p>Errichtung des Konpaku Ged\u00e4chtnisturms<\/p>\n<p>\u3000Am Tag der Schuler\u00f6ffnung bestimmte der B\u00fcrgermeister zwei Tage, an denen die gesamten Dorfbewohner Knochen bergen sollen. Nicht nur das Knochensammel-Team, alle Dorfbewohner sammelten an diesen Tagen die Knochen in der Umgebung auf. Diese Gebeine wurden an dem Ort zusammengetragen, wo heute der Konpaku Ged\u00e4chtnisturm steht. Der Boden dort war urspr\u00fcnglich nicht so flach wie heute, sondern sehr uneben. Wir packten die Gebeine in Jutes\u00e4cke und trugen sie dorthin. \u201eLegt die K\u00f6pfe hier entlang\u201c, \u201eDie Arme und Beine kommen hier herein\u201c bekamen wir gesagt und legten sie in die Vertiefungen des unebenen Gel\u00e4ndes. Wir hatten keine Grabwerkzeuge und auch keine Maschinen. In den darauf folgenden Jahren wurden die sterblichen \u00dcberreste von 35.000 Menschen dort beerdigt.<br \/>\n\u3000Zu Beginn trugen wir die Gebeine von mehr als 2000 Menschen zusammen. Wir arbeiteten nach Anweisung der Leute vom Knochensammel-Team. \u201eDas ist nur ein Granatsplitter, der hier in den Knochen steckt. Er wird nicht explodieren, ihr k\u00f6nnt die Knochen beruhigt aufsammeln\u201c, oder so \u00e4hnlich zeigten sie uns wie wir vorgehen sollen. Bevor wir die \u00dcberreste aufsammelten, legten wir unsere H\u00e4nde zusammen und sagten: \u201eGuburi-sabira\u201c (Entschuldigung) und hoben die Knochen auf. Auch lebende Menschen f\u00fchlen sich nicht wohl, wenn sie nicht wissen, wo sie hingebracht werden. Deshalb sagten wir als n\u00e4chstes \u201eUnchike-sabira\u201c (Mach dir keine Sorgen, ich werde dich begleiten). Uns wurde gesagt, dass wir auf jeden Fall die H\u00e4nde falten und \u201eGuburi-sabira\u201c sagen sollen. \u201eNach dem Gebet hebt ihr zuerst die Arme und Beine auf, den Kopf zuletzt\u201c,\u201eAuch beim Hineinlegen in den Sack, kommt der Kopf ganz nach oben\u201c, wurden wir unterrichtet. Die Knochen von zwei Menschen f\u00fcllten einen Sack. F\u00fcr uns d\u00fcnne und abgemagerte Kinder damals, war es eine gro\u00dfe Anstrengung einen solchen Sack, voll mit menschlichen \u00dcberresten zu tragen. Wir hatten kaum etwas zu essen und keine Kraft sie alleine zu tragen. Wir zogen sie zu zweit, an den Enden festhaltend hinter uns her.<br \/>\n\u3000Ich fand eine Stelle mit kleinen reifen Tomaten im dichten Gras. Als ich das Gras beiseite wischte, sah ich drei Sch\u00e4delknochen. Das Skelett der Mutter war gr\u00f6\u00dfer und lag da mit bogenf\u00f6rmig gekr\u00fcmmter Wirbels\u00e4ule als wenn sie sitzen w\u00fcrde. Es sah aus als ob sie ihre beiden Kleinkinder im Arm hielt. Als ich die Skelette einsammelte, fragte ich mich, warum diese unschuldigen Kinder umgebracht werden mussten und was ihre Mutter gef\u00fchlt haben muss, als sie bei ihren Kindern gestorben ist. Als Frau zitterte ich bei diesen Gedanken aus Wut und Trauer so sehr, dass ich zuerst nicht in der Lage war die Knochen einzusammeln. Zusammen mit meiner Freundin legten wir die Skelette der dreik\u00f6pfigen Familie in einen Sack. Aber es war mir unm\u00f6glich ihn zu tragen. Zu zweit m\u00fchten uns ab und brachte ihn schliesslich zum Ort des Konpaku Ged\u00e4chtnis Turms. Es hat mich wirklich zum Nachdenken dar\u00fcber gebracht, warum Menschen solche schrecklichen Erfahrungen machen m\u00fcssen und wof\u00fcr Kriege gef\u00fchrt werden. Bei den Gedanken daran, baute sich gro\u00dfer Arger in mir auf. Nicht unbedingt \u00fcber die japanische Armee, sondern dar\u00fcber das Japan seine eigene Bev\u00f6lkerung auf so grauenvolle Weise sterben lies.<br \/>\n\u3000Auch danach sammelten wir weiter Gebeine auf und der Himeyuri- sowie der Kenji Ged\u00e4chtnisturm wurden von den Einwohnern Mawashis mit ihren H\u00e4nden erschaffen. Unser B\u00fcrgermeister und seine Frau waren mit gro\u00dfer Leidenschaft bei der Sache.<br \/>\n\u3000Vor dem Krieg ging ich zwei Jahre auf die M\u00e4dchenschule, in meinem dritten Jahr begann der Krieg. Nach dem Krieg besuchte ich die High School in Itoman und sp\u00e4ter die Mawashi High School. Meinen Abschluss habe ich letztendlich an der Shuri High School gemacht. Ich kann mich allerdings nicht mehr erinnern, was ich eigentlich gelernt habe. An die Shuri High School ging ich vom September 1946 an und besuchte die Schule f\u00fcr ein halbes Jahr. Der Unterricht fand mit Lehrb\u00fcchern statt, die mit dem Mimeografen vervielf\u00e4ltigt waren.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Was ich den jungen Leuten mitgeben m\u00f6chte ist, dass es zwar wichtig ist von meinen Kriegserlebnissen zu h\u00f6ren, aber vorher sollten sie gr\u00fcndlich die Geschichte studieren. Warum geschehen Kriege? Ich denke, dass wir keine friedliche Gesellschaft schaffen k\u00f6nnen, wenn wir das Studium der Geschichte vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Frau Yasuko Onaga wurde Grundschullehrerin und widmete sich mit all ihren Kraft der Friedensforschung. Nach ihrer Pensionierung wurde sie ein aktives Mitglied unseres Erz\u00e4hler Clubs und spricht basierend auf ihren Erfahrungen, \u00fcber die Realit\u00e4t der Schlacht von Okinawa. Als \u00dcberlebende des Krieges f\u00fchlt sie sich besonders berufen und gibt all ihre Kraft f\u00fcr die Vermittlung der Geschichte der Schlacht von Okinwana an die j\u00fcngere Generation, innerhalb und auch au\u00dferhalb der Pr\u00e4fektur Okinawa.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vollst\u00e4ndige Ver\u00e4nderung des Alltags \u3000Am 27.Februar 1945 erhielten die Bewohner der Gemeinde Mawashi den Befeh [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-110","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archive"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=110"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":917,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/110\/revisions\/917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=110"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=110"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}