{"id":119,"date":"2022-01-28T13:31:33","date_gmt":"2022-01-28T04:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=119"},"modified":"2022-04-12T13:07:14","modified_gmt":"2022-04-12T04:07:14","slug":"%e3%82%a2%e3%83%a1%e3%83%aa%e3%82%ab%e3%81%a7%e3%81%ae%e6%8d%95%e8%99%9c%e7%94%9f%e6%b4%bb%e3%81%a8%e7%a7%81%e3%81%ae%e6%88%a6%e5%be%8c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/119\/","title":{"rendered":"Kriegsgefangenschaft in Amerika und das Nachkriegsleben"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Vor dem Krieg<\/p>\n<p>\u3000Ich wurde in Lima in der Republik Peru geboren. Ich besuchte ein halbes Jahr die japanische Grundschule in Peru. In meinem ersten Schuljahr zogen wir nach Okinawa. Ich wechselte zurStaatlichen Elementaren Grundschule in Kishaba, Nakagusuku. Ab Mitte der dritten Klasse ging ich zur Zweiten Elementaren Grundschule in Shuri. Das ist heute die Shuri-no-Shironishi Grundschule. Ab 1943 besuchte ich dann die First Prefectural Junior High School. Das ist heute die Shuri High School. An der Junior High School wurde von Anfang an deutlich gesagt, dass wir alle Soldaten werden w\u00fcrden, und der Unterricht beinhaltete auch ein \u201eWehrerziehung\u201c genanntes Fach.<\/p>\n<p>Einziehung zum Studentenkorps<\/p>\n<p>\u3000Am 28. M\u00e4rz 1945 machte ich mich mit einem Freund auf den Weg zum Sammelplatz beim Hauptquartier des Signalkorps, am Hantagawa Fluss in der N\u00e4he vom Shuri Castle. Wir wurden der F\u00fcnften Kompanie zugewiesen und traten in die Armee ein. Bei Eintritt bekamen wir eine Uniform ausgeh\u00e4ndigt, schn\u00fcrten unsere Privatsachen zusammen und verstauten sie. Wir zogen die Uniform und die Armeestiefel an und steckten das Gefreiten Abzeichen an den Kragen. Unser St\u00fctzpunkt befand sich in einer nat\u00fcrlichen H\u00f6hle. Bei Antritt bestand die Truppe aus etwa acht oder neun Soldaten, vier davon waren Sch\u00fcler. Diese Vier wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und verrichteten Wechseldienst in einem 24 Stunden Zeitplan. Der Auftrag unserer Truppe war die Kommunikation mit einer Signaleinheit auf Ie-Jima. Die Aufgabe der Sch\u00fclersoldaten bestand haupts\u00e4chlich im Drehen der Kurbel am Stromgenerator, den Reis f\u00fcr die Mahlzeiten zu kochen und hinterher abzuwaschen. Wenn ein Telegramm eintraf, \u00fcberbrachten wir die Nachrichten zur Kommandostelle. So sah der Dienst aus.<br \/>\n\u3000Als Ende April die Einheit auf der Insel Ie an die Amerikaner fiel, zogen wir uns ins Hauptquartier zur\u00fcck und verrichteten dort unseren Dienst. Auch hier waren die Sch\u00fclersoldaten haupts\u00e4chlich f\u00fcr das Reis kochen und Wasser sch\u00f6pfen zust\u00e4ndig. Dar\u00fcberhinaus hielten wir im 4-Stunden Wechsel Wachdienst. Wachdienst bedeutete, auf einem Plateau, dass etwa 20, 30 Meter \u00fcber dem Bunker lag, Ausschau nach dem Feind zu halten. Es war nicht so, dass der Feind unmittelbar im Anmarsch war, um uns anzugreifen, aber es war wichtig und notwendig nach ihm Ausschau zu halten.<\/p>\n<p>R\u00fcckzug von Shui nach Shimajiri<\/p>\n<p>\u3000W\u00e4hrend wir uns in den S\u00fcden nach Shimajiri zur\u00fcckzogen, r\u00fcckten die Amerikanischen Streitkr\u00e4fte immer n\u00e4her. Es gab Leute, die sagten sie h\u00e4tten schon amerikanische Truppen in der N\u00e4he des Kannon Tempels in Shuri gesehen. Das f\u00fchrte dazu, dass wir am uns am 27. Mai im Eiltempo nach Mabuni in Shimajiri auf den Weg machten. Vier von uns, zwei regul\u00e4re Soldaten, ein anderer Sch\u00fclersoldat und ich trugen die verwundeten Soldaten. Zusammen mit unserer Zivilkleidung trugen wir je einen verwundeten Soldaten auf unserem R\u00fccken. W\u00e4hrend unseres R\u00fcckzuges fiel die ganze Zeit starker Regen. Die Regenzeit hatte am 27. Mai begonnen und verwandelte von dem Moment an, in dem wir den Bunker verliessen den ganzen Boden in Schlamm. Es gab damals noch keinen Asphalt und \u00fcberall war Schlamm.<br \/>\n\u3000Nachdem wir Haebaru passiert hatten und Kochinda erreichten, begegneten uns Hunderte, Tausende, eine riesige Menschenmenge auf der Flucht in den S\u00fcden, in Richtung Shimajiri. Als der Tag anbrach und wir die Umgebung wahrnehmen konnten, sahen wir \u00fcberall die Leichen gefallener Soldaten verstreut. Einige waren noch nicht tot und krabbelten auf allen Vieren Richtung S\u00fcden. Es war wirklich erb\u00e4rmlich anzuschauen, wie sie im Schlamm des Weges vorw\u00e4rts krochen. Verletzte riefen verzweifelt: \u201eIch bin noch nicht tot, tretet nicht auf mich\u201c. In Mabuni, Itoman gab es eine gro\u00dfe H\u00f6hle, die ein Vortrupp als Unterschlupf f\u00fcr die F\u00fcnfte Kompanie gesichert hatte. Dorthin gingen wir.<\/p>\n<p>Leben in der H\u00f6hle in Mabuni<\/p>\n<p>\u3000Laut der Sch\u00fclersoldaten, die dort zuerst angekommen sind, war es ein Unterschlupf f\u00fcr Zivilpersonen. Sie mussten diesen aber auf milit\u00e4rische Amordnung verlassen. Mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen, nahmen sie ihr Kessel und Bratpfannen und verliessen die H\u00f6hle. Ich dachte, was f\u00fcr eine schreckliche Sache, die Zivilisten zu vertreiben. Nachdem die Leute die H\u00f6hle verlassen hatten, ist unsere F\u00fcnfte Kompanie dort hinein. Als Resultat sind von den 35 Soldaten unserer Kompanie nur 11 gefallen. Im Gegensatz dazu, hatte zum Beispiel die Sechste Kompanie keinen Zivilbunker beschlagnahmt, sonder sich bis zum Ende des Krieges zwischen gro\u00dfe Felsen verschanzt. Von den 34 Soldaten der Sechsten Kompanie fielen 28 und nur sechs \u00fcberlebten. Weil sie in keine H\u00f6hle hinein sind. starben 28 von ihnen und nur sechs blieben am Leben. Allerdings waren von den sechs \u00fcberlebenden Soldaten vier schwerverletzt, nur zwei blieben unversehrt. So gro\u00df war der Unterschied zwischen unserer Kompanie, die den Zivilbunker beschlagnahmte und der Kompanie, die die ganze Zeit dem feindlichen Kugelhagel ausgesetzt war.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Studentenkorps<\/p>\n<p>\u3000Am 20. Juni wurde uns mitgeteilt, das der Feind bis zur Siedlung Mabuni vorger\u00fcckt sei. Alle Sch\u00fclersoldaten wurden versammelt und dar\u00fcber informiert, dass \u201eein weiterer R\u00fcckzug zwecklos sei und deshalb die Einheit aufgel\u00f6st wird\u201c. Sie bedankten sich noch f\u00fcr unsere Dienste. Uns wurde gesagt, dass in Kunigami die Udo Einheit immer noch k\u00e4mpfte und wir die Frontlinie durchbrechen und uns ihnen anschliessen sollen. Es gab auch ein Ger\u00fccht \u00fcber ein japanisches U-Boot, welches zur Rettung nach Mabuni kommen soll und wir hier auf es warten k\u00f6nnen. Die Entscheidung weiter zu k\u00e4mpfen oder zu warten, wurde uns selbst \u00fcberlassen. Mit diesen Worten wurde das Studentencorps entlassen.<br \/>\n\u3000W\u00e4hrend wir gerade dar\u00fcber beratschlagten nach Einbruch der Dunkelheit zur Front aufzubrechen, tauchte ein Unteroffizier einer anderen Einheit auf. Er riet uns dazu, uns gefangen nehmen zu lassen. Er hatte ein Flugblatt dabei, das von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen war. Auf ihm stand auf Japanisch: \u201eJapanische Soldaten hebt die H\u00e4nde und ergebt euch!\u201c Diese Flugbl\u00e4tter flatterten \u00fcberall herab. Der Unteroffizier spach: \u201eDiese Flugbl\u00e4tter sagen die Wahrheit\u201c. Er erz\u00e4hlte uns von der Hager Konvention, die die Misshandlung von Kriegsgefangenen verbot. Er sagte, dass die Amerikaner die Hager Konvention einhalten und uns nichts antun werden, wenn wir uns ergeben. \u201eJapan wird diesen Krieg verlieren. Das ist eine gro\u00dfe Trag\u00f6die. Ich sage nicht, dass ich damit zufrieden bin, aber wenn Japan f\u00e4llt muss es auch wieder aufgebaut werden. Daf\u00fcr brauchen wir die Jugend. Das ist die Aufgabe die ihr Jugendliche \u00fcbernehmen m\u00fcsst\u201c. Es warten so viele Dinge auf euch, die ihr zu tun habt nach dem Krieg. Deshalb ergebt euch lieber als zu sterben!\u201c<br \/>\n\u3000Am n\u00e4chsten Tag zu Mittag stiegen wir zu dritt, mit erhobenen H\u00e4nden den H\u00fcgel von Mabuni hinauf. Auf H\u00f6he des \u00f6ffentlichen Brunnens wurden wir von etwa zehn amerikanischen Soldaten, die sich dort befanden, in Kriegsgefangenschaft genommen.<\/p>\n<p>Von der Gefangennahme ins Kriegsgefangenenlager Yaka<\/p>\n<p>\u3000Unsere Taschen wurden nach Waffen durchsucht und als sicher war, dass wir keine bei uns hatten, wurden wir auf einen Lastwagen gesetzt und in Richtung Chinen gefahren. Dort hielt der Lastwagen an etwa sieben oder acht Leute stiegen zu und wir wurden in das Yaka Kriegsgefangenlager gebracht. Das Lager war in drei Camps aufgeteilt. Eins f\u00fcr Japanische Soldaten, eins f\u00fcr okinawanische Soldaten und Zivilangestellte und eins f\u00fcr Koreaner. Dort gab es die sogenannten &#8222;K-Rationen&#8220;, in \u00d6lpapier eingewickelte Feldrationen. Wir a\u00dfen Kekse und und kleine Konserven, die uns zugeteilt wurden. &#8222;Solche Sachen essen sie also in der amerikanischen Armee\u201c, dachte ich \u00fcberrascht, w\u00e4hrend die japanischen Kr\u00e4fte wie wir immer hungrig waren. Ich versp\u00fcrte den Unterschied in der Vorbereitung auf den Kriegseinsatz.<\/p>\n<p>Mit dem Schiff nach Hawaii<\/p>\n<p>\u3000Eines Tages im Juli versammelten sie die Gefangenen aus Okinawa. Ein japanischst\u00e4mmiger Amerikaner aus Hawaii rief: \u201eWessen Name aufgerufen wird, der steigt auf den Lastwagen\u201c. Ich bestieg ebenfalls den Lastwagen und wir wurden zur K\u00fcste von Chatan transportiert, wo wir ein Schiff bestiegen. \u201eWo werden sie uns wohl hinbringen? Wahrscheinlich bringen sie uns irgendwo hin und machen uns zu Sklaven\u201c,dachte ich bei mir. Damals habe ich nicht im entferntesten an Hawaii oder die Vereinigten Staaten gedacht. \u201eWahrscheinlich bringen sie uns auf irgendeine Insel im S\u00fcdpazifik und wir m\u00fcssen dort schwere Sklavenarbeit verrichten\u201c, war auch einer meiner Gedanken. Als das Schiff den Hafen verlie\u00df und wir von Deck zusahen, wie Okinawa immer kleiner wurde, konnten viele Leute ihre Tr\u00e4nen nicht zur\u00fcck halten.<br \/>\n\u3000Die Verpflegung auf dem Schiff war \u00e4u\u00dferst knapp. Wir erhielten zweimal t\u00e4glich etwas Mehl in einer kleinen Reissch\u00fcssel, dazu Kartoffeln und Karotten, die wir mit Ketchup w\u00fcrzten. Das Schiff mit dem wir fuhren, war ein Truppentransportschiff. Es gab vierst\u00f6ckige Kojen in denen wir schlafen konnten. F\u00fcr die Zeit auf dem Schiff erhielten wir jeder ein Hemd und eine Hose, die wir selber waschen mussten, wenn sie dreckig geworden waren. Bis sie wieder getrocknet waren, sa\u00dfen wir v\u00f6llig nackt an Bord herum.<\/p>\n<p>Leben im Kriegsgefangenenlager in Hawaii<\/p>\n<p>\u3000Im Kriegsgefangenenlager in Hawai war die Versorgung und Verpflegung sehr gut. Eine Gruppe Gefangene von Ie-jima war vor uns angekommen und f\u00fcr die K\u00fcchenarbeit zust\u00e4ndig. Auf Tellern f\u00fcr amerikanische Solldaten, servierten sie uns grosse Portionen und man bekam immer Nachschlag. Wir a\u00dfen soviel, wie wir wollten. Und es gab wei\u00dfen Reis. Ich hatte seit Beginn der Schlacht von Okinawa keinen wei\u00dfen Reis mehr gegessen. Alle die nach Hawaii gebracht wurden h\u00e4tten niemals gedacht, dass sie hier so leckeren Reis essen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leben im Lager in San Francisco<\/p>\n<p>\u3000Anfang August war die Luft in San Francisco an der amerikanischen Westk\u00fcste sehr k\u00fchl. Das lag wohl an der kalten Luftstr\u00f6mung, dachte ich und wir schliefen nachts mit eingeschalteter Heizung. Es war ein guter Ort mit frischer Luft. Dort waren wir einige Zeit mit gefangenen japanischen Soldaten aus Saipan zusammen, bevor wir weiter nach Texas verlegt wurden. Vielleicht hatte die amerikanische Regierung schon zu diesem Zeitpunkt die Idee, Okinawa von Japan zu trennen. Gefangene, die aus Okinawa stammten, wurden aus den Lagern in Texas und Wisconsin wieder zur\u00fcck nach San Francisco verlegt. Von dort ging es dann heim nach Okinawa. Die etwa 14 oder 15 Gefangenen, die aus Texas zur\u00fcck kamen, trugen sch\u00e4bige Kleidung und abgenutzte Schuhe. Sie hatten sonnenverbrannte Gesichter und gefragt warum, erz\u00e4hlten sie, dass sie die ganze Zeit schwere k\u00f6rperliche Arbeit verrichten mussten. Sie mussten gro\u00dfe B\u00e4ume f\u00e4llen und sie in runde Scheiben zers\u00e4gen. Zu solchen Arbeiten wurden sie gezwungen, berichteten sie. Die Ank\u00f6mmlinge aus Wisconsin waren sauber gekleidet, wie die japanischst\u00e4mmigen Amerikaner. Ihre Schuhe gl\u00e4nzten passend zum Outfit und sie hatten sogar die Haare ge\u00f6lt. Befragt, erz\u00e4hlten sie mir, dass das Essen in Wisconsin sehr schmackhaft gewesen sei und sie einen Tagelohn von 25 Cent erhalten haben. Sie durften sogar Eink\u00e4ufe machen von ihrem Gehalt. Das waren die Berichte aus Wisconsin.<br \/>\n\u3000Schon an Bord des Schiffes nach Hawaii, war die Behandlung der einzelnen Personen sehr unterschiedlich. Auch in den USA war die Behandlung von Lager zu Lager verschieden. Ich hatte den Eindruck, dass es keinen festgelegten Standard gab und dass die Dinge den zust\u00e4ndigen Kapit\u00e4nen und Lagerleitern \u00fcberlassen wurden.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr nach Okinawa.<\/p>\n<p>\u3000Im November 1945 wurde ich aus Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte zur\u00fcck nach Okinawa. Ich h\u00f6rte, dass meine Familie in Gushikawa, wo heute Shioya in Uruma ist, interniert sein soll. Aber ihr Verbleib nach der Entlassung war unklar und ich wusste nicht wo meine Familie war. Mein Heimatort in Nakagusuku lag nun in einen neuen Verwaltungsbezirk, Koza genannt und mir wurde gesagt dort hinzugehen. Auch in Koza konnte ich meine Familie nicht finden und wohnte zusammen mit zwei andere Leuten in Ageda, Okinawa Stadt. Einer meiner Mitbewohner war auf den Phillipinen gefangen genommen wurden und der andere in Saipan. Zu dritt lebten wir zusammen.<br \/>\n\u3000Ich wei\u00df nicht, von wem es meine Mutter h\u00f6rte, aber sie fand heraus, dass ich in Ageda war und kam mich zu suchen. Von ihr erfuhr ich, dass unsere Familie immer noch in Gushikawa war und so macht ich mich zu Fuss auf den Weg nach Gushikawa. Auf dem Weg dorthin traf ich zuf\u00e4llig einen Klassenkameraden, mit dem ich damals gemeinsam zur Armee bin. Er wurde nicht gefangen genommen, da er in Mabuni seine Zivilkeidung anzog und innerhalb von vier, f\u00fcnf Tagen nach Gushikawa zur\u00fcck kehren konnte. Von ihm h\u00f6rte ich eine Menge Neuigkeiten. Er besuchte bereits die dortige Maehara High School. Er sagte mir, dass ich auch dort anfangen soll, und ich bem\u00fchte mich um die Aufnahme.<\/p>\n<p>Das Sch\u00fclerleben nach Kriegsende<\/p>\n<p>\u3000Damals sagten alle &#8222;High School\u201c und nicht Koko wie das auf japanisch hei\u00dft. Die Maehara High School war auf dem Gel\u00e4nder der Takaesu Grundschule er\u00f6ffnet worden. Dort wurde ich an der High School aufgenommen. Die Klassenr\u00e4ume waren Zelte mit blanken Boden, abgenutzten Tischen und St\u00fchlen und ohne Tafel. Die Schule hatte gerade erst vor zehn Tagen er\u00f6ffnet. Wir hatten keine Lehrb\u00fccher und h\u00f6rten dem Lehrer beim Unterricht zu. In der N\u00e4he war eine Bildungseinrichtung \u201eUniversit\u00e4t\u201c genannt. Sie war f\u00fcr Angestellte der amerikanischen Streitkr\u00e4fte. Auf ihrem M\u00fcllplatz, gab es jede Menge weggeworfene Papiere und Dokumente. Die R\u00fcckseiten waren noch unbeschrieben und so sammelte ich sie ein, um sie als Schreibpapier zu nutzen. Ich suchte auch nach B\u00fcchern, die sich noch verwenden liessen und fand ein Buch auf Universit\u00e4tsniveau \u00fcber Algebra. Ich hatte schon einige Vorkenntnisse \u00fcber linerare und quadratische Gleichungen, Faktorenzerlegung und dergleichen, also dachte ich, dass ich daraus etwas lernen kann und nahm es mit nach Hause zum studieren. In der Maehara High School gab es bis zu meinem Abschluss keine Lehrb\u00fccher. Sp\u00e4ter zog die Maehara High School dorthin, wo heutzutage die Katsuren Junior High School ist. Wir lebten in einem Wohnheim, es gab nur halbe Portionen Reis und wir waren st\u00e4ndig hungrig. Keine guten Vorrausetzungen zum lernen.<\/p>\n<p>Englischstudium und Amerika Aufenthalt<\/p>\n<p>\u3000Nach dem Abschluss der High School arbeitete ich vormittags auf dem Feld. Es gab damals nicht genug zu essen, deshalb musste ich auf dem Feld arbeiten. Nachmittags schrieb ich aus einem englischen Buch ab, das mir mein Schwager geliehen hat. So lernte ich einigerma\u00dfen Englisch. Mein Schwager arbeitete in einem B\u00fcro als Postingenieur und als dort eine Stelle f\u00fcr einen Einheimischen frei wurde, empfahl er mir dort zu arbeiten, weil der B\u00fcroleiter ein sehr leichtverst\u00e4ndiges Englisch sprach und ich so etwas lernen kann. Ich sprach soviel wie m\u00f6glich mit dem B\u00fcroleiter und schrieb das ganze Englischbuch meines Schwagers ab. So eignete ich mir die ersten Grundkenntnisse an.<br \/>\n\u3000In Taba, Gushikawa befand sich die Okinawa Foreign Language School Ich absolvierte die Aufnahmepr\u00fcfung und bestand. Ich besuchte die Okinawa Foreign Language School f\u00fcr etwa ein halbes Jahr und ging dann auf die Ryukyu Universit\u00e4t. Vor dem Eintritt in die Universit\u00e4t wurde eine Stelle als Englischlehrer an der Kitanakagusuku Junior High School frei und ich wurde gefragt, ob ich sie \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Ich war damals 20 oder 21 Jahre alt und blieb f\u00fcr ein Jahr an der Schule Ich wollte allerdings nicht f\u00fcr immer Aushilfslehrer bleiben. F\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung an der Universit\u00e4t hatte ich nicht wirklich viel gelernt, dachte mir aber, dass ich die Aufgaben f\u00fcr die Aufnahme in den Grundschullehrerkurs bestehen w\u00fcrde.<br \/>\n\u3000Ich bestand die Pr\u00fcfung, aber leider war ich im Zeichnen und Malen zu schlecht und ich merkte, dass das Grundschulamt nichts f\u00fcr mich war. Ich beschloss mein Hauptfach zu \u00e4ndern und noch einmal zur Aufnahmepr\u00fcfung anzutreten. Ich lies mich nach dem ersten Semester beurlauben und lernte zum ersten Mal richtig f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung. Ich bestand und wurde f\u00fcr den vierj\u00e4hrigen Universit\u00e4tskurs zugelassen. Ich schloss mein Studium an der Anglistik Fakult\u00e4t ab, dachte mir aber, dass ich richtiges Englisch nur in Amerika lernen werde und ging in die USA, um weiter zu studieren. Als Hauptfach belegte ich dort Buchhaltung.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Ich denke, dass wir in einen schrecklichen Krieg verwickelt waren. Gab es keinen anderen Ausweg als Krieg? Aber es lag damals nicht in unserer Kraft dem Einhalt zu gebieten und die Schlacht von Okinawa zu verhindern. Durch den Einfluss des japanischen Militarismus meldeten sich 115 meiner Klassenkameraden zur Armee. Von ihnen starben 65 im Krieg. 140.000 Einwohner Okinawas verloren ihr Leben. Zusammen mit den Soldaten und Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen starben insgesamt 240.000 Menschen. Ihre Namen sind in die Gedenksteine in Mabuni eingraviert.<br \/>\n\u3000Dieser Krieg, diese Schlacht war ein ungeheure Trag\u00f6die, die sich nie wiederholen darf! Das denke ich aus ganzem Herzen.<\/p>\n<p>Vor dem Krieg<\/p>\n<p>\u3000Ich wurde in Lima in der Republik Peru geboren. Ich besuchte ein halbes Jahr die japanische Grundschule in Peru. In meinem ersten Schuljahr zogen wir nach Okinawa. Ich wechselte zurStaatlichen Elementaren Grundschule in Kishaba, Nakagusuku. Ab Mitte der dritten Klasse ging ich zur Zweiten Elementaren Grundschule in Shuri. Das ist heute die Shuri-no-Shironishi Grundschule. Ab 1943 besuchte ich dann die First Prefectural Junior High School. Das ist heute die Shuri High School. An der Junior High School wurde von Anfang an deutlich gesagt, dass wir alle Soldaten werden w\u00fcrden, und der Unterricht beinhaltete auch ein \u201eWehrerziehung\u201c genanntes Fach.<\/p>\n<p>Einziehung zum Studentenkorps<\/p>\n<p>\u3000Am 28. M\u00e4rz 1945 machte ich mich mit einem Freund auf den Weg zum Sammelplatz beim Hauptquartier des Signalkorps, am Hantagawa Fluss in der N\u00e4he vom Shuri Castle. Wir wurden der F\u00fcnften Kompanie zugewiesen und traten in die Armee ein. Bei Eintritt bekamen wir eine Uniform ausgeh\u00e4ndigt, schn\u00fcrten unsere Privatsachen zusammen und verstauten sie. Wir zogen die Uniform und die Armeestiefel an und steckten das Gefreiten Abzeichen an den Kragen. Unser St\u00fctzpunkt befand sich in einer nat\u00fcrlichen H\u00f6hle. Bei Antritt bestand die Truppe aus etwa acht oder neun Soldaten, vier davon waren Sch\u00fcler. Diese Vier wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und verrichteten Wechseldienst in einem 24 Stunden Zeitplan. Der Auftrag unserer Truppe war die Kommunikation mit einer Signaleinheit auf Ie-Jima. Die Aufgabe der Sch\u00fclersoldaten bestand haupts\u00e4chlich im Drehen der Kurbel am Stromgenerator, den Reis f\u00fcr die Mahlzeiten zu kochen und hinterher abzuwaschen. Wenn ein Telegramm eintraf, \u00fcberbrachten wir die Nachrichten zur Kommandostelle. So sah der Dienst aus.<br \/>\n\u3000Als Ende April die Einheit auf der Insel Ie an die Amerikaner fiel, zogen wir uns ins Hauptquartier zur\u00fcck und verrichteten dort unseren Dienst. Auch hier waren die Sch\u00fclersoldaten haupts\u00e4chlich f\u00fcr das Reis kochen und Wasser sch\u00f6pfen zust\u00e4ndig. Dar\u00fcberhinaus hielten wir im 4-Stunden Wechsel Wachdienst. Wachdienst bedeutete, auf einem Plateau, dass etwa 20, 30 Meter \u00fcber dem Bunker lag, Ausschau nach dem Feind zu halten. Es war nicht so, dass der Feind unmittelbar im Anmarsch war, um uns anzugreifen, aber es war wichtig und notwendig nach ihm Ausschau zu halten.<\/p>\n<p>R\u00fcckzug von Shui nach Shimajiri<\/p>\n<p>\u3000W\u00e4hrend wir uns in den S\u00fcden nach Shimajiri zur\u00fcckzogen, r\u00fcckten die Amerikanischen Streitkr\u00e4fte immer n\u00e4her. Es gab Leute, die sagten sie h\u00e4tten schon amerikanische Truppen in der N\u00e4he des Kannon Tempels in Shuri gesehen. Das f\u00fchrte dazu, dass wir am uns am 27. Mai im Eiltempo nach Mabuni in Shimajiri auf den Weg machten. Vier von uns, zwei regul\u00e4re Soldaten, ein anderer Sch\u00fclersoldat und ich trugen die verwundeten Soldaten. Zusammen mit unserer Zivilkleidung trugen wir je einen verwundeten Soldaten auf unserem R\u00fccken. W\u00e4hrend unseres R\u00fcckzuges fiel die ganze Zeit starker Regen. Die Regenzeit hatte am 27. Mai begonnen und verwandelte von dem Moment an, in dem wir den Bunker verliessen den ganzen Boden in Schlamm. Es gab damals noch keinen Asphalt und \u00fcberall war Schlamm.<br \/>\n\u3000Nachdem wir Haebaru passiert hatten und Kochinda erreichten, begegneten uns Hunderte, Tausende, eine riesige Menschenmenge auf der Flucht in den S\u00fcden, in Richtung Shimajiri. Als der Tag anbrach und wir die Umgebung wahrnehmen konnten, sahen wir \u00fcberall die Leichen gefallener Soldaten verstreut. Einige waren noch nicht tot und krabbelten auf allen Vieren Richtung S\u00fcden. Es war wirklich erb\u00e4rmlich anzuschauen, wie sie im Schlamm des Weges vorw\u00e4rts krochen. Verletzte riefen verzweifelt: \u201eIch bin noch nicht tot, tretet nicht auf mich\u201c. In Mabuni, Itoman gab es eine gro\u00dfe H\u00f6hle, die ein Vortrupp als Unterschlupf f\u00fcr die F\u00fcnfte Kompanie gesichert hatte. Dorthin gingen wir.<\/p>\n<p>Leben in der H\u00f6hle in Mabuni<\/p>\n<p>\u3000Laut der Sch\u00fclersoldaten, die dort zuerst angekommen sind, war es ein Unterschlupf f\u00fcr Zivilpersonen. Sie mussten diesen aber auf milit\u00e4rische Amordnung verlassen. Mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen, nahmen sie ihr Kessel und Bratpfannen und verliessen die H\u00f6hle. Ich dachte, was f\u00fcr eine schreckliche Sache, die Zivilisten zu vertreiben. Nachdem die Leute die H\u00f6hle verlassen hatten, ist unsere F\u00fcnfte Kompanie dort hinein. Als Resultat sind von den 35 Soldaten unserer Kompanie nur 11 gefallen. Im Gegensatz dazu, hatte zum Beispiel die Sechste Kompanie keinen Zivilbunker beschlagnahmt, sonder sich bis zum Ende des Krieges zwischen gro\u00dfe Felsen verschanzt. Von den 34 Soldaten der Sechsten Kompanie fielen 28 und nur sechs \u00fcberlebten. Weil sie in keine H\u00f6hle hinein sind. starben 28 von ihnen und nur sechs blieben am Leben. Allerdings waren von den sechs \u00fcberlebenden Soldaten vier schwerverletzt, nur zwei blieben unversehrt. So gro\u00df war der Unterschied zwischen unserer Kompanie, die den Zivilbunker beschlagnahmte und der Kompanie, die die ganze Zeit dem feindlichen Kugelhagel ausgesetzt war.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung des Studentenkorps<\/p>\n<p>\u3000Am 20. Juni wurde uns mitgeteilt, das der Feind bis zur Siedlung Mabuni vorger\u00fcckt sei. Alle Sch\u00fclersoldaten wurden versammelt und dar\u00fcber informiert, dass \u201eein weiterer R\u00fcckzug zwecklos sei und deshalb die Einheit aufgel\u00f6st wird\u201c. Sie bedankten sich noch f\u00fcr unsere Dienste. Uns wurde gesagt, dass in Kunigami die Udo Einheit immer noch k\u00e4mpfte und wir die Frontlinie durchbrechen und uns ihnen anschliessen sollen. Es gab auch ein Ger\u00fccht \u00fcber ein japanisches U-Boot, welches zur Rettung nach Mabuni kommen soll und wir hier auf es warten k\u00f6nnen. Die Entscheidung weiter zu k\u00e4mpfen oder zu warten, wurde uns selbst \u00fcberlassen. Mit diesen Worten wurde das Studentencorps entlassen.<br \/>\n\u3000W\u00e4hrend wir gerade dar\u00fcber beratschlagten nach Einbruch der Dunkelheit zur Front aufzubrechen, tauchte ein Unteroffizier einer anderen Einheit auf. Er riet uns dazu, uns gefangen nehmen zu lassen. Er hatte ein Flugblatt dabei, das von amerikanischen Flugzeugen abgeworfen war. Auf ihm stand auf Japanisch: \u201eJapanische Soldaten hebt die H\u00e4nde und ergebt euch!\u201c Diese Flugbl\u00e4tter flatterten \u00fcberall herab. Der Unteroffizier spach: \u201eDiese Flugbl\u00e4tter sagen die Wahrheit\u201c. Er erz\u00e4hlte uns von der Hager Konvention, die die Misshandlung von Kriegsgefangenen verbot. Er sagte, dass die Amerikaner die Hager Konvention einhalten und uns nichts antun werden, wenn wir uns ergeben. \u201eJapan wird diesen Krieg verlieren. Das ist eine gro\u00dfe Trag\u00f6die. Ich sage nicht, dass ich damit zufrieden bin, aber wenn Japan f\u00e4llt muss es auch wieder aufgebaut werden. Daf\u00fcr brauchen wir die Jugend. Das ist die Aufgabe die ihr Jugendliche \u00fcbernehmen m\u00fcsst\u201c. Es warten so viele Dinge auf euch, die ihr zu tun habt nach dem Krieg. Deshalb ergebt euch lieber als zu sterben!\u201c<br \/>\n\u3000Am n\u00e4chsten Tag zu Mittag stiegen wir zu dritt, mit erhobenen H\u00e4nden den H\u00fcgel von Mabuni hinauf. Auf H\u00f6he des \u00f6ffentlichen Brunnens wurden wir von etwa zehn amerikanischen Soldaten, die sich dort befanden, in Kriegsgefangenschaft genommen.<\/p>\n<p>Von der Gefangennahme ins Kriegsgefangenenlager Yaka<\/p>\n<p>\u3000Unsere Taschen wurden nach Waffen durchsucht und als sicher war, dass wir keine bei uns hatten, wurden wir auf einen Lastwagen gesetzt und in Richtung Chinen gefahren. Dort hielt der Lastwagen an etwa sieben oder acht Leute stiegen zu und wir wurden in das Yaka Kriegsgefangenlager gebracht. Das Lager war in drei Camps aufgeteilt. Eins f\u00fcr Japanische Soldaten, eins f\u00fcr okinawanische Soldaten und Zivilangestellte und eins f\u00fcr Koreaner. Dort gab es die sogenannten &#8222;K-Rationen&#8220;, in \u00d6lpapier eingewickelte Feldrationen. Wir a\u00dfen Kekse und und kleine Konserven, die uns zugeteilt wurden. &#8222;Solche Sachen essen sie also in der amerikanischen Armee\u201c, dachte ich \u00fcberrascht, w\u00e4hrend die japanischen Kr\u00e4fte wie wir immer hungrig waren. Ich versp\u00fcrte den Unterschied in der Vorbereitung auf den Kriegseinsatz.<\/p>\n<p>Mit dem Schiff nach Hawaii<\/p>\n<p>\u3000Eines Tages im Juli versammelten sie die Gefangenen aus Okinawa. Ein japanischst\u00e4mmiger Amerikaner aus Hawaii rief: \u201eWessen Name aufgerufen wird, der steigt auf den Lastwagen\u201c. Ich bestieg ebenfalls den Lastwagen und wir wurden zur K\u00fcste von Chatan transportiert, wo wir ein Schiff bestiegen. \u201eWo werden sie uns wohl hinbringen? Wahrscheinlich bringen sie uns irgendwo hin und machen uns zu Sklaven\u201c,dachte ich bei mir. Damals habe ich nicht im entferntesten an Hawaii oder die Vereinigten Staaten gedacht. \u201eWahrscheinlich bringen sie uns auf irgendeine Insel im S\u00fcdpazifik und wir m\u00fcssen dort schwere Sklavenarbeit verrichten\u201c, war auch einer meiner Gedanken. Als das Schiff den Hafen verlie\u00df und wir von Deck zusahen, wie Okinawa immer kleiner wurde, konnten viele Leute ihre Tr\u00e4nen nicht zur\u00fcck halten.<br \/>\n\u3000Die Verpflegung auf dem Schiff war \u00e4u\u00dferst knapp. Wir erhielten zweimal t\u00e4glich etwas Mehl in einer kleinen Reissch\u00fcssel, dazu Kartoffeln und Karotten, die wir mit Ketchup w\u00fcrzten. Das Schiff mit dem wir fuhren, war ein Truppentransportschiff. Es gab vierst\u00f6ckige Kojen in denen wir schlafen konnten. F\u00fcr die Zeit auf dem Schiff erhielten wir jeder ein Hemd und eine Hose, die wir selber waschen mussten, wenn sie dreckig geworden waren. Bis sie wieder getrocknet waren, sa\u00dfen wir v\u00f6llig nackt an Bord herum.<\/p>\n<p>Leben im Kriegsgefangenenlager in Hawaii<\/p>\n<p>\u3000Im Kriegsgefangenenlager in Hawai war die Versorgung und Verpflegung sehr gut. Eine Gruppe Gefangene von Ie-jima war vor uns angekommen und f\u00fcr die K\u00fcchenarbeit zust\u00e4ndig. Auf Tellern f\u00fcr amerikanische Solldaten, servierten sie uns grosse Portionen und man bekam immer Nachschlag. Wir a\u00dfen soviel, wie wir wollten. Und es gab wei\u00dfen Reis. Ich hatte seit Beginn der Schlacht von Okinawa keinen wei\u00dfen Reis mehr gegessen. Alle die nach Hawaii gebracht wurden<br \/>\nh\u00e4tten niemals gedacht, dass sie hier so leckeren Reis essen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leben im Lager in San Francisco<\/p>\n<p>\u3000Anfang August war die Luft in San Francisco an der amerikanischen Westk\u00fcste sehr k\u00fchl. Das lag wohl an der kalten Luftstr\u00f6mung, dachte ich und wir schliefen nachts mit eingeschalteter Heizung. Es war ein guter Ort mit frischer Luft. Dort waren wir einige Zeit mit gefangenen japanischen Soldaten aus Saipan zusammen, bevor wir weiter nach Texas verlegt wurden. Vielleicht hatte die amerikanische Regierung schon zu diesem Zeitpunkt die Idee, Okinawa von Japan zu trennen. Gefangene, die aus Okinawa stammten, wurden aus den Lagern in Texas und Wisconsin wieder zur\u00fcck nach San Francisco verlegt. Von dort ging es dann heim nach Okinawa. Die etwa 14 oder 15 Gefangenen, die aus Texas zur\u00fcck kamen, trugen sch\u00e4bige Kleidung und abgenutzte Schuhe. Sie hatten sonnenverbrannte Gesichter und gefragt warum, erz\u00e4hlten sie, dass sie die ganze Zeit schwere k\u00f6rperliche Arbeit verrichten mussten. Sie mussten gro\u00dfe B\u00e4ume f\u00e4llen und sie in runde Scheiben zers\u00e4gen. Zu solchen Arbeiten wurden sie gezwungen, berichteten sie. Die Ank\u00f6mmlinge aus Wisconsin waren sauber gekleidet, wie die japanischst\u00e4mmigen Amerikaner. Ihre Schuhe gl\u00e4nzten passend zum Outfit und sie hatten sogar die Haare ge\u00f6lt. Befragt, erz\u00e4hlten sie mir, dass das Essen in Wisconsin sehr schmackhaft gewesen sei und sie einen Tagelohn von 25 Cent erhalten haben. Sie durften sogar Eink\u00e4ufe machen von ihrem Gehalt. Das waren die Berichte aus Wisconsin.<br \/>\n\u3000Schon an Bord des Schiffes nach Hawaii, war die Behandlung der einzelnen Personen sehr unterschiedlich. Auch in den USA war die Behandlung von Lager zu Lager verschieden. Ich hatte den Eindruck, dass es keinen festgelegten Standard gab und dass die Dinge den zust\u00e4ndigen Kapit\u00e4nen und Lagerleitern \u00fcberlassen wurden.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr nach Okinawa.<\/p>\n<p>\u3000Im November 1945 wurde ich aus Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte zur\u00fcck nach Okinawa. Ich h\u00f6rte, dass meine Familie in Gushikawa, wo heute Shioya in Uruma ist, interniert sein soll. Aber ihr Verbleib nach der Entlassung war unklar und ich wusste nicht wo meine Familie war. Mein Heimatort in Nakagusuku lag nun in einen neuen Verwaltungsbezirk, Koza genannt und mir wurde gesagt dort hinzugehen. Auch in Koza konnte ich meine Familie nicht finden und wohnte zusammen mit zwei andere Leuten in Ageda, Okinawa Stadt. Einer meiner Mitbewohner war auf den Phillipinen gefangen genommen wurden und der andere in Saipan. Zu dritt lebten wir zusammen.<br \/>\n\u3000Ich wei\u00df nicht, von wem es meine Mutter h\u00f6rte, aber sie fand heraus, dass ich in Ageda war und kam mich zu suchen. Von ihr erfuhr ich, dass unsere Familie immer noch in Gushikawa war und so macht ich mich zu Fuss auf den Weg nach Gushikawa. Auf dem Weg dorthin traf ich zuf\u00e4llig einen Klassenkameraden, mit dem ich damals gemeinsam zur Armee bin. Er wurde nicht gefangen genommen, da er in Mabuni seine Zivilkeidung anzog und innerhalb von vier, f\u00fcnf Tagen nach Gushikawa zur\u00fcck kehren konnte. Von ihm h\u00f6rte ich eine Menge Neuigkeiten. Er besuchte bereits die dortige Maehara High School. Er sagte mir, dass ich auch dort anfangen soll, und ich bem\u00fchte mich um die Aufnahme.<\/p>\n<p>Das Sch\u00fclerleben nach Kriegsende<\/p>\n<p>\u3000Damals sagten alle &#8222;High School\u201c und nicht Koko wie das auf japanisch hei\u00dft. Die Maehara High School war auf dem Gel\u00e4nder der Takaesu Grundschule er\u00f6ffnet worden. Dort wurde ich an der High School aufgenommen. Die Klassenr\u00e4ume waren Zelte mit blanken Boden, abgenutzten Tischen und St\u00fchlen und ohne Tafel. Die Schule hatte gerade erst vor zehn Tagen er\u00f6ffnet. Wir hatten keine Lehrb\u00fccher und h\u00f6rten dem Lehrer beim Unterricht zu. In der N\u00e4he war eine Bildungseinrichtung \u201eUniversit\u00e4t\u201c genannt. Sie war f\u00fcr Angestellte der amerikanischen Streitkr\u00e4fte. Auf ihrem M\u00fcllplatz, gab es jede Menge weggeworfene Papiere und Dokumente. Die R\u00fcckseiten waren noch unbeschrieben und so sammelte ich sie ein, um sie als Schreibpapier zu nutzen. Ich suchte auch nach B\u00fcchern, die sich noch verwenden liessen und fand ein Buch auf Universit\u00e4tsniveau \u00fcber Algebra. Ich hatte schon einige Vorkenntnisse \u00fcber linerare und quadratische Gleichungen, Faktorenzerlegung und dergleichen, also dachte ich, dass ich daraus etwas lernen kann und nahm es mit nach Hause zum studieren. In der Maehara High School gab es bis zu meinem Abschluss keine Lehrb\u00fccher. Sp\u00e4ter zog die Maehara High School dorthin, wo heutzutage die Katsuren Junior High School ist. Wir lebten in einem Wohnheim, es gab nur halbe Portionen Reis und wir waren st\u00e4ndig hungrig. Keine guten Vorrausetzungen zum lernen.<\/p>\n<p>Englischstudium und Amerika Aufenthalt<\/p>\n<p>\u3000Nach dem Abschluss der High School arbeitete ich vormittags auf dem Feld. Es gab damals nicht genug zu essen, deshalb musste ich auf dem Feld arbeiten. Nachmittags schrieb ich aus einem englischen Buch ab, das mir mein Schwager geliehen hat. So lernte ich einigerma\u00dfen Englisch. Mein Schwager arbeitete in einem B\u00fcro als Postingenieur und als dort eine Stelle f\u00fcr einen Einheimischen frei wurde, empfahl er mir dort zu arbeiten, weil der B\u00fcroleiter ein sehr leichtverst\u00e4ndiges Englisch sprach und ich so etwas lernen kann. Ich sprach soviel wie m\u00f6glich mit dem B\u00fcroleiter und schrieb das ganze Englischbuch meines Schwagers ab. So eignete ich mir die ersten Grundkenntnisse an.<br \/>\n\u3000In Taba, Gushikawa befand sich die Okinawa Foreign Language School Ich absolvierte die Aufnahmepr\u00fcfung und bestand. Ich besuchte die Okinawa Foreign Language School f\u00fcr etwa ein halbes Jahr und ging dann auf die Ryukyu Universit\u00e4t. Vor dem Eintritt in die Universit\u00e4t wurde eine Stelle als Englischlehrer an der Kitanakagusuku Junior High School frei und ich wurde gefragt, ob ich sie \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Ich war damals 20 oder 21 Jahre alt und blieb f\u00fcr ein Jahr an der Schule Ich wollte allerdings nicht f\u00fcr immer Aushilfslehrer bleiben. F\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung an der Universit\u00e4t hatte ich nicht wirklich viel gelernt, dachte mir aber, dass ich die Aufgaben f\u00fcr die Aufnahme in den Grundschullehrerkurs bestehen w\u00fcrde.<br \/>\n\u3000Ich bestand die Pr\u00fcfung, aber leider war ich im Zeichnen und Malen zu schlecht und ich merkte, dass das Grundschulamt nichts f\u00fcr mich war. Ich beschloss mein Hauptfach zu \u00e4ndern und noch einmal zur Aufnahmepr\u00fcfung anzutreten. Ich lies mich nach dem ersten Semester beurlauben und lernte zum ersten Mal richtig f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung. Ich bestand und wurde f\u00fcr den vierj\u00e4hrigen Universit\u00e4tskurs zugelassen. Ich schloss mein Studium an der Anglistik Fakult\u00e4t ab, dachte mir aber, dass ich richtiges Englisch nur in Amerika lernen werde und ging in die USA, um weiter zu studieren. Als Hauptfach belegte ich dort Buchhaltung.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Ich denke, dass wir in einen schrecklichen Krieg verwickelt waren. Gab es keinen anderen Ausweg als Krieg? Aber es lag damals nicht in unserer Kraft dem Einhalt zu gebieten und die Schlacht von Okinawa zu verhindern. Durch den Einfluss des japanischen Militarismus meldeten sich 115 meiner Klassenkameraden zur Armee. Von ihnen starben 65 im Krieg. 140.000 Einwohner Okinawas verloren ihr Leben. Zusammen mit den Soldaten und Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen starben insgesamt 240.000 Menschen. Ihre Namen sind in die Gedenksteine in Mabuni eingraviert.<br \/>\n\u3000Dieser Krieg, diese Schlacht war ein ungeheure Trag\u00f6die, die sich nie wiederholen darf! Das denke ich aus ganzem Herzen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Herr Shoutoku Asta arbeite in Amerika f\u00fcr Bireleley\u2019s eine Softdrrink Firma in der Herstellung und im Verkauf. Nach seiner R\u00fcckkehr gr\u00fcndete er die Bireleley\u2019s Okinawa AG und arbeite \u00fcber 44 Jahre dort. 2018 wurde er mit Ehrenpreis der Ryukyu Shimpo f\u00fcr besondere Errungenschaften in Handel und Wirtschaft ausgezeichnet. Er ist ebenfalls aktives Mitglied unseres \u201eErz\u00e4hlerclubs\u201c\u3000und f\u00e4hrt fort die wahre Geschichte der Schlacht um Okinawa und von seinen Erfahrungen im Studentencorps zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Krieg \u3000Ich wurde in Lima in der Republik Peru geboren. 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