{"id":127,"date":"2022-01-28T14:39:00","date_gmt":"2022-01-28T05:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=127"},"modified":"2022-05-11T11:44:15","modified_gmt":"2022-05-11T02:44:15","slug":"%e5%a4%89%e3%82%8f%e3%82%8a%e3%82%86%e3%81%8f%e3%82%b7%e3%83%9e%e3%81%ae%e6%9a%ae%e3%82%89%e3%81%97%e3%81%a8-%e6%ae%8b%e3%81%97%e3%81%9f%e3%81%84%e5%ae%9d%e7%89%a9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/127\/","title":{"rendered":"Der Wandel im Lifestyle aus den Inseln und die Sch\u00e4tze die bewahrt werden m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Das Kriegsende in Japan<\/p>\n<p>\u3000Ich war in Osaka als der Krieg ausbrach und in Toyama, als er zu Ende ging. Nach Abschluss der sechsten Klasse der Grundschule hatte ich vor, eine weiterf\u00fchrende Schule zu besuchen. Mein Onkel lebte in Japan auf dem Festland und ich \u00fcberlegte mir, nach dem Abschluss dort eine Schneiderschule zu besuchen. Da gab es so eine Art Personalvermittler. Nach einem Beratungsgespr\u00e4ch mit ihm, versprach er mir eine Anstellung auf dem Festland zu besorgen. Von meiner Mutter lieh ich mir 30 Yen und begann heimlich mit den Vorbereitungen f\u00fcr meine Abreise. Erst am Tag vor meiner Abfahrt erz\u00e4hlte ich der Familie von meinen Pl\u00e4nen und der Vermittler nahm mich mit nach Japan. Naiv wie ich als Kind war nahm ich an, dass ich auf eine Schneiderschule gehen werde. Stattdessen bracht mich der Vermittler zu einer Spinnerei. Die Firma war die Shikishima-Boseki AG in Osaka. Ich hatte nicht vorgehabt in einer Spinnerei zu arbeiten, aber hier wurde ich hingebracht. Ich war erst 13 Jahre alt, frisch von der Grundschule, hatte von nichts eine Ahnung und wurde von dem Vermittler einfach mitgenommen.<br \/>\n\u3000Meine erste Aufgabe in der Spinnerei war das Vermischen der Baumwolle. Die Baumwolle wurde in die Spinnmaschine gef\u00fcllt, die daraus ein Garn spann. Sp\u00e4ter wurde ich auch mit anderen Aufgaben betraut und nach meiner Versetzung nach Toyama, arbeitete ich als Weberin. Ich kann mich nicht erinnern, damals sehr besch\u00e4ftigt gewesen zu sein und konzentrierte mich darauf flei\u00dfig zu arbeiten und Geld zu verdienen. Viele Sachen habe ich auch nicht besessen. Meine Familie schickte mir Bezugsscheine und ich kaufte mir Socken und Handt\u00fccher davon. F\u00fcr alles brauchte man damals Bezugsscheine. Um meine Familie zu unterst\u00fctzen, schickte ich Geld nachhause. Ich verdiente 26 Yen im Monat. Davon behielt ich 2,5 Yen f\u00fcr mich selbst und steckte 5 Yen in die Briefe, die ich monatlich an meine Mutter schrieb. Sie schrieb mir, dass sie das Geld gespart und einen Brunnen davon gebaut haben. Als die Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde, dachte ich das es in Osaka, das ja nicht so weit entfernt von Hiroshima liegt, zu gef\u00e4hrlich ist. Der Krieg war noch nicht beendet und ich evakuierte am n\u00e4chsten Tag nach Toyama. In Toyama blieb ich etwa anderthalb Jahre.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr nach Okinawa.<\/p>\n<p>\u3000Ich erhielt einen Brief von meinem Onkel aus Yokohama. Ich fuhr nach Yokohama, um ihn zu suchen, indem ich der Adresse auf dem Brief folgte. Mein Onkel und seine Familie bereiteten sich gerade auf ihre R\u00fcckkehr nach Okinawa vor. Nach meine R\u00fcckkehr nach Toyama erkundigte ich mich bei den Beh\u00f6rden, ob auch ich zur\u00fcck nach Okinawa konnte. Die M\u00f6glichkeit bestand und ich fing mit meinen eigenen Vorbereitungen an. Ich glaube es war im November 1946, ich verbrachte einen Monat in einem Internierungslager in Nagoya, Am 12. Dezember, bestieg ich ein Panzerlandungsschiff und fuhr nach Okinawa. Nach meiner Ankunft verbrachte ich einen Abend im Internierungslager Kubasaki in Nakagusuku. Am n\u00e4chsten Morgen kam ein Regierungsvertreter und sandte uns zur\u00fcck zu unseren Familien. Es waren etwa sieben oder acht Leute im gleichen Alter wie ich, die nach Henza zur\u00fcckkehrten.<\/p>\n<p>Nachkriegsleben<\/p>\n<p>\u3000Unmittelbar nach Kriegsende waren die Anwohner der umliegenden Inseln auf Henza-jima interniert. In einem Haus lebten mehrer Familien zusammen, aber zur Zeit meiner R\u00fcckkehr waren die Internierungen bereits beendet. Meine Familie hatte ihr Wohnhaus bereits wieder f\u00fcr sich alleine. Wenn sich bei Ebbe das Wasser zur\u00fcckzog, gingen die \u00e4lteren Frauen ans Meer und sammelten dort Muscheln und Krabben. So hatten wir eigentlich immer etwas zu essen im Haus. Auf unserem Feld ernteten wir Lauch, Zwiebeln, Blattgem\u00fcse und S\u00fc\u00dfkartoffelbl\u00e4tter. Das Gem\u00fcse a\u00dfen wir zusammen mit Somen-Nudeln. Wir machten auch selber Tofu, indem wir die Bohnen im M\u00f6rser zerstampften.<br \/>\n\u3000Meine Mutter ging jeden Tag los, um als Tagel\u00f6hnerin zu arbeiten. In unserem Haushalt wohnten noch beide Gro\u00dfm\u00fctter und ich half ihnen bei der Feldarbeit. Ich trug die ausgegrabenen S\u00fc\u00dfkartoffeln nach Hause und habe einschliesslich Wasser holen alle Arbeiten im Haushalt verrichtet. Die \u00c4cker damals waren voller Steine und es es war nicht einfach S\u00fc\u00dfkartoffeln anzubauen. Zusammen mit anderen Kinder holten wir Sand vom Ufer und verteilten ihn auf den \u00c4ckern. Der Anbau von S\u00fc\u00dfkartoffeln wurde so zwar etwas leichter, aber wir haben nur so kleine S\u00fc\u00dfkartoffeln geerntet. Auf der Nachbarinsel Miyagi war der Boden besser und sie ernteten gr\u00f6\u00dfere S\u00fc\u00dfkartoffeln. Sie kamen mit ihren Sabanis (traditionelle Holzboote), brachten die S\u00fc\u00dfkartoffeln zu uns aus die Insel, wir nahem alle unsere Bambusk\u00f6rbe und liefen zum Hafen, um S\u00fc\u00dfkartoffeln zu kaufen.<\/p>\n<p>Mein Leben nach der Hochzeit<\/p>\n<p>\u3000Ich sagte zu meinem Vater, dass ich f\u00fcr das amerikanische Milit\u00e4r arbeiten wollte. Er regte sich sehr dar\u00fcber auf und verheiratete mich daraufhin auf der Stelle. Ich bin mit 19 Jahren nach Okinawa heimgekehrt und mit 20 Jahren habe ich geheiratet. Mein Mann war noch bis etwa 1943 in Osaka. Nachdem er nach Henza-jima zur\u00fcckgekehrt war, arbeitete er die ganze Zeit auf einem Schiff. Die Familie meines Mannes ist schon seit Generationen zur See gefahren. Nach unserer Hochzeit h\u00f6rte er auf dem gro\u00dfen Schiff auf. Er baute ein Sabani und schloss sich der F\u00e4hrgewerkschaft an. Solange bis das Erd\u00f6llager der Golf-Company fertiggestellte wurde, fuhr er von Henza-jima aus hin und her. Wir kauften auch Brennholz aus Yanbaru (Nord-Okinawa) und verkauften es in der Gegend von Yonabaru. Mein Mann k\u00fcmmerte sich um den Verkauf und ich fuhr f\u00fcr die Bestellungen nach Yanbaru. Im Ort Kanna in Ginza lebte ein H\u00e4ndler, der aus Henza-jima stammte. Mit ihm machte ich die Konditionen der jeweiligen Bestellungen aus. Mein Mann fuhr dann nach Yonabaru und verkaufte das Brennholz. Das Brennholz Gesch\u00e4ft machten wir, wenn der F\u00e4hrbetrieb Ruhetag hatte. Das war in der Regel einmal in der Woche. Au\u00dferdem arbeiteten wir an unserem freien Tagen auf dem Gem\u00fcsefeld und verrichteten anfallende T\u00e4tigkeiten. Wir vermieteten auch unser Boot und manchmal kamen Amerikaner zum angeln.<br \/>\nDamals hatten wir auch zwei Schweinest\u00e4lle mit jeweils drei Schweinen darin. Sie brachten pro Wurf zehn Ferkel zur Welt, die wir f\u00fcr 10 Dollar verkauften. Von dem Geld habe ich mir eine N\u00e4hmaschine gekauft. Heutzutage sieht man eine Menge heller Schweine, aber damals waren sie alle schwarz gewesen.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Ich w\u00fcnsche mir das die jungen Leute \u201eShimakutuba\u201c Traditionelle Sprache Okinawas und ihre Dialekte lernen und studieren. Man kann lokale Angelegenheiten nicht verstehen, wenn man den lokalen Dialekt nicht versteht. Das gilt f\u00fcr alle Gegenden, egal wo. Nicht nur in Henza-Jima, man kann das \u00fcber alle verschieden Gegenden sagen. Der Dialekt ist die gemeinsame Sprache der Dorfgemeinschaft. Deshalb w\u00fcnsche ich mir, dass die jungen Leute ihre Dialekte pflegen<\/p>\n<p>\u266aSu-ri- agari bushi\u266a<\/p>\n<p>Nach Osten fliegt der sch\u00f6ne Schmetterling.<br \/>\nSu-risa-sa surassa haiya<br \/>\nOb er dir meine Nachricht \u00fcberbracht hat?<br \/>\nSu-risa-sa surassa haiya<\/p>\n<p>\u3000Dieses Lied ist vollst\u00e4ndig im lokalen Dialekt. Hier nach Henza-jima kommen viele Kinder aus Okinawa zu Besuch, aber sie sprechen keinen Dialekt mehr, deshalb versehen sie auch dieses Lied nicht mehr. Wir machen alles was uns m\u00f6glich ist, um ihnen diese Lieder zu \u00fcberliefern. Das Erlernen des einheimischen Dialekts ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Bewahrung der Kultur der einzelnen Regionen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Frau Toni Ito lebt in Henza-Jima. Sie engagiert sich aktiv in der Frauen Vereinigung,im Alten-Club und anderen Vereinen, die sich um die Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t und den Erhalt der traditionellen Kultur von Henza-Jima bem\u00fchen. Besonders liegt ihr der Erhalt der traditionellen Dorfveranstaltungen und der lokalen Sprache am Herzen.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kriegsende in Japan \u3000Ich war in Osaka als der Krieg ausbrach und in Toyama, als er zu Ende ging. 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