{"id":136,"date":"2022-01-28T14:44:50","date_gmt":"2022-01-28T05:44:50","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=136"},"modified":"2022-04-12T13:12:34","modified_gmt":"2022-04-12T04:12:34","slug":"%e6%ba%80%e5%b7%9e%e3%81%a7%e3%81%ae%e6%ad%bb%e7%b7%9a%e3%82%92%e4%b9%97%e3%82%8a%e8%b6%8a%e3%81%88%e3%81%a6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/136\/","title":{"rendered":"In der Mandschurei die Todeszone durchschritten"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Als Pionier in die Mandschurei<\/p>\n<p>\u3000Mein Heimatort Karimata in Miyako-jima war ein armes Dorf. Nur der \u00e4lteste Sohn konnte den Acker der Eltern erben und den nachfolgenden S\u00f6hnen blieb nur die Wahl ein Feld zu pachten oder das Haus zu verlassen, um Arbeit zu finden. Als ich drei Jahre alt war, arbeitet mein Vater in einer Eisenh\u00fctte in Tobata, Fukuoka. Er arbeite dort als Fabrikarbeiter. Zwei oder drei Jahre sp\u00e4ter kehrte er nach Karimata zur\u00fcck. Vor den Sommerferien, w\u00e4hrend meines zweiten Jahres an der nationalen Grundschule, wurde er Mitglied einer Siedlervereinigung f\u00fcr die Besiedlung der Mandschurei. Er h\u00f6rte, dass man dort Ackerland erhalten w\u00fcrde und trat hocherfreut in die Vereinigung ein.<br \/>\n\u3000Wir zogen noch in meinem zweiten Schuljahr mit der ganzen Familie in die Mandschurei. Die Umsiedelung war eine gute Sache, aber wir zogen pl\u00f6tzlich aus dem warmen Klima Okinawas in die kalte Mandschurei. Das \u00fcbliche Transportmittel waren damals Pferdekutschen. Ich erinnere mich heute noch mit Schaudern daran, wie wir in der Kutsche schaukelten und es war f\u00fcrchterlich kalt, als wir schlie\u00dflich in einem Dorf namens Inaminegou ankamen. Ich dachte bei mir: \u201eKann es wirklich einen so kalten Ort auf der Welt geben\u201c. Zwei oder drei Monate vergingen nach unserem Umzug in die Mandschurei und als es Winter wurde fror der Boden zu Eis.<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderung des Lebens nach Kriegsbeginn<\/p>\n<p>\u3000In diesem Winter des Jahres 1941 begann der Krieg und wir h\u00f6rten von dem Angriff der japanischen Armee auf Hawaii. Es war die Zeit des Militarismus und wir freuten uns auf den Sieg der japanischen Armee, der f\u00fcr mich nicht infrage stand. Meine Eltern freuten sich ebenfalls dar\u00fcber, dass sie durch den Umzug in die Mandschurei so viel Ackerland erhalten hatten, wie sie es sich in Karimata niemals h\u00e4tten vorstellen k\u00f6nnen. Wir waren noch Kinder und hatten nichts als Spielen im Sinn. Am Anfang waren wir drei Geschwister, meine \u00e4ltere Schwester, die heute in Yaeyama lebt und mein j\u00fcngerer Bruder. Nach unser Ankunft in der Mandschurei kamen noch drei Geschwister dazu. Das vierte, f\u00fcnfte und sechste Kind wurden alle in Inaminegou geboren. Mein Vater und meine Mutter stammten beide aus Karimata.<br \/>\n\u3000Ungef\u00e4hr zwei Kilometer von meiner Schule entfernt, gab es die Siedlung Hokushingo mit Einwohnern aus Miyako-jima. Etwa 20 Familien lebten dort. Auch wir wohnte dort eine Weile. Mein Vater erhielt ein Feld in der N\u00e4he. Von der Armee bekamen wir ein Pferd zur Verf\u00fcgung gestellt, ein Gewehr f\u00fcr die Selbstverteidigung und einmal im Monat scharfe Munition. F\u00fcr einen Japaner, f\u00fchrten wir wirklich ein Leben in Wohlstand. Allerdings verschlechterten die Umst\u00e4nde als sich das Kriegsende n\u00e4herte. Mein Vater wurde zur Armee einberufen und die Gewehre und Pferde beschlagnahmt. Die Pferde stammten urspr\u00fcnglich aus Hokkaido. Sie waren sehr gro\u00df und die Armee holte sie sich zur\u00fcck. Die Situation verschlechterten sich weiter und die Lebensmittel wurden knapp. Was die Feldarbeit angeht, alle unsere V\u00e4ter waren von der Armee mitgenommen worden Nur die Frauen und Kinder waren zur\u00fcckgeblieben. Wir waren so kaum in der Lage, uns selbst zu ern\u00e4hren.<br \/>\n\u3000Unter diesen Umst\u00e4nden hatte sich unsere Familie noch vergr\u00f6\u00dfert. Wir waren eine Familie mit sechs Geschwistern, aber mein j\u00fcngerer Bruder starb im Jahr des Kriegsendes. Als er starb, konnten wir ihn noch in der Erde begraben. Als der n\u00e4chste meiner Br\u00fcder starb, w\u00e4hrend unserer Zeit im Internierungslager, war es Winter und man konnte in dem gefrorenen Boden keine Gr\u00e4ber ausheben. Selbst mit einer Spitzhacke konnte man den Boden nicht aufbrechen. Es grassiert eine Typhusepidemie und Kinder wie Erwachsen infizierten sich und starben daran. Diejenigen, die im Sommer starben konnten wir noch unter die Erde bringen. Diejenigen die im Winter starben, wurden einfach so liegen gelassen, weil man sie nicht begraben konnte. Die \u00fcberall herumliegenden Leichen waren ein unertr\u00e4glicher Anblick. Nach Kriegsende beschloss die die chinesische Regierung der Mandschurei die Toten wegzuschaffen. Wie vertrocknetes Brennholz wurden sie auf Pferdewagen gestapelt. Als meine Mutter das sah meinte sie, dass Sie nichts m\u00f6chte, dass man so mit ihrem Kind umgeht. Wir beschlossen meinen Bruder unter allen Umst\u00e4nden zu begraben. Von irgendwoher gelang es meiner Mutter eine Spitzhacke aufzutreiben und sagte mir, ich soll ein gro\u00dfes Loch damit graben. Ich brauchte einen ganzen Tag um meinen Bruder zu beerdigen. Zu dieser Zeit, kamen die jungen M\u00e4nner von der \u201eGiyo-gun\u201c der chinesischen Freiwilligen Armee zur\u00fcck. Wir baten sie um Hilfe beim Ausheben der Gr\u00e4ber. Ich selber habe auch mitgeholfen.<br \/>\n\u3000In jenen Tagen kamen auch russische Soldaten in die Mandschurei. Aus Angst vor den russischen Soldaten schmierten sie die Frauen Ru\u00df ins Gesicht und rasierten sich die K\u00f6pfe kahl. Um das Dorf war ein Graben ausgehoben, der zum Schutz vor Banditen diente. In diesen Graben zerrten die russischen Soldaten die Frauen und vergewaltigten sie. Wir die 12 bis 13-j\u00e4hrigen Jungen hatten die Aufgabe die Frauen zu besch\u00fctzen. Sahen wir einen der russischen Soldaten, riefen wir laut: \u201eDie Russen sind da!\u201c. Wir rannten in die H\u00e4user und warfen Brennholz in die Herde, um extra viel Rauch zu erzeugen. Wir schlossen die Fenster, damit der Rauch die H\u00e4user f\u00fcllte. Die russischen Soldaten, hielten den bei\u00dfenden Rauch nicht aus und rannten hustend davon. Wir waren selbst noch Kinder, haben aber auf diese Weise die Frauen und kleinen Kinder besch\u00fctzt. H\u00e4tten das die Erwachsenen getan bestand die Gefahr, dass sie sofort erschossen werden. Es wurde gesagt, dass die russischen Soldaten keine Kinder umbringen w\u00fcrden, deshalb baten uns die Erwachsenen ihnen beim Schutz der Frauen zu helfen So sah unser Leben im Nachkriegswinter in der Mandschurei aus.<\/p>\n<p>R\u00fcckweg aus der Mandschurei.<\/p>\n<p>\u3000Als die Repatriation aus der Mandschurei zur\u00fcck nach Japan begann, zogen wir los zu einem Ort namens Harbin. F\u00fcr etwa zwei Monate, liefen wir bei Tag und bei Nacht in Richtung Harbin und versuchten die einheimischen Banditen zu vermeiden. Nachts konnte man wegen Dunkelheit nichts sehen und die kleinen Kinder und Babies fingen vor Angst an zu weinen. Kleinkinder wissen ja nicht worum es geht. Die Anf\u00fchrer des Siedlungsvereins forderten die Eltern der scheinenden Babies auf sie zu t\u00f6ten, weil sie alle in Schwierigkeiten bringen w\u00fcrden, wenn sie weiter weinen. Ich denke das war ein unertr\u00e4glicher Befehl an die Eltern. Ich habe nie gesehen, wie ein Baby get\u00f6tet wurde, aber nach dem Aufruf das Baby zu t\u00f6ten, verstummte das Weinen meistens. Wenn wir einen Fluss \u00fcberquerten, fingen die meisten Kleinkinder ebenfalls oft an zu weinen und die Eltern liessen die weinenden Kinder mit dem Fluss davon treiben.<br \/>\n\u3000Denkt man dar\u00fcber nach, so war die Evakuierung nach Japan die H\u00f6lle auf Erden. Unter diesen Umst\u00e4nden hatten die Eltern nur die Wahl, ihre Kinder auszusetzen oder an die Chinesen zu verkaufen. Meine Familie brauchte eine solche Entscheidung nicht treffen. Bereits bei Ende des ersten Winter im Sammellager waren alle meine vier j\u00fcngeren Geschwister gestorben. Es waren nur meine Mutter, meine \u00e4ltere Schwester und ich \u00fcbrig geblieben. Irgendwie erreichten wir schlie\u00dflich Harbin.<\/p>\n<p>Leben in Harbin<\/p>\n<p>\u3000In Harbin gab es zu jener Zeit eine japanische Grundschule. Ich glaube sie hiess Hanazono Grundschule. In dieser Schule waren wir interniert. Ich war sehr schwach damals, aber ich bekam eine Arbeit in der B\u00e4ckerei. F\u00fcr etwa einen Monat arbeitete ich in der B\u00e4ckerei, dann wurde ich mit einem St\u00fcckchen Brot in meiner Tasche erwischt. Ich wollte nur meiner Mutter etwas zu essen geben und wurde aufgrund des Stehlens eines Brotkantens in der B\u00e4ckerei entlassen.<br \/>\n\u3000Ich infizierte mich mit Typhus und f\u00fcr die Behandlung verkaufte meine Mutter unsere gesamten Habseligkeiten Als wir nichts mehr \u00fcbrig hatten, wurde sie selber krank. Es gab keine \u00c4rzte und sie starb an ihrer Krankheit. Es gab kein Grab, wo wir sie beerdigen konnten. ich brachte meine Mutter zu einer Felsengrotte im Lager. Dorthin wurden alle Leichen, der im Lager verstorbenen gebracht. War die Grotte voll, wurden die Leichen mit einer Lastkutsche irgendwohin weggebracht. Diesmal war es Sommer und nicht Winter, und wir benutzten Heugabeln, um die Leichen auf die Lastkutschen zu laden. Bis heute wei\u00df ich nicht, wohin meine Mutter gebracht wurde. Beim Aufladen mit den Heugabeln fiel manchmal ein Kopf oder eine Hand herunter. Die Leiche wurden dann so mitgenommen, aber wir erfuhren nie wohin sie geschafft wurden.<br \/>\n\u3000In Gruppen aufgeteilt, machten wir uns vom Internierungslager in Harbin auf den Weg. Ich lief mit meiner Schwester zusammen, aber es fiel uns schrittweise immer schwerer. Die Z\u00fcge waren damals so hoch gebaut, dass wir Kinder sie nicht mit der Hand erreichen konnten. Ein Koreaner half uns damals und zog uns auf einen der Z\u00fcge. Meine Schwester erz\u00e4hlte immer wieder, wie uns damals die Koreaner geholfen haben. Obwohl es nur eine offener Wagen ohne Dach war, war es eine Erleichterung f\u00fcr uns, weil wir nicht mehr laufen mussten. Am n\u00e4chsten Morgen sah ich um mich und bemerkte, dass neben mir ein Erwachsener kraftlos auf der Seite lag. Ich versuchte ihn aufzuwecken, aber er war bereits gestorben. Auf diese Weise verbrachten wir mehrere Tage und wurden schlie\u00dflich, wenn ich mir richtig erinnere, in Busan auf der koreanischen Halbinsel auf ein Schiff gesetzt.<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr nach Japan mit dem Schiff<\/p>\n<p>\u3000In dem Moment in dem wir das Schiff betraten, f\u00fchlte ich mich bereits wie in Japan angekommen. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Die Mahlzeiten an Bord des Schiffes bestanden nur aus Reis und getrockneten Algen. Das war alles was wir erhielten, aber es schmeckte k\u00f6stlich. Ich war tief ger\u00fchrt, dass es wirklich solche K\u00f6stlichkeiten gibt. Zuerst fuhren wir in Richtung des Milit\u00e4rhafens Sasebo in Nagasaki. In Sasebo angekommen, brach an Bord die Cholera aus. Wir ankerten etwa eine Woche vor Sasebo auf dem offenen Meer, bis sich der Ausbruch beruhigt hatte. Nach diese Woche landeten wir nicht in Sasebo, sondern das Schiff wurde zu einem Ort namens Otake in Hiroshima umgeleitet, wo wir schlie\u00dflich landeten. Das erste mit dem wir hier Bekanntschaft machten, war das Insektizid DDT. Mit dem wei\u00dfen Pulver wurden wir am ganzen K\u00f6rper eingespr\u00fcht. Wir blieben eine Nacht in Otake und machten uns auf den Weg in Richtung Kure. Wir hatten geh\u00f6rt, dass es dort Schiffe nach Okinawa geben soll. Deshalb machten wir uns mit der Dampfeisenbahn auf den Weg nach Kure. Als wir mit dem Zug durch Hiroshima fuhren, breitete sich eine verbrannte Ein\u00f6de aus. Kein Bahnhof und von den Geb\u00e4uden waren nur die Grundmauern \u00fcbrig. Ein einziges Brandfeld. Wir n\u00e4herten uns Kure und erfuhren, dass es kein Schiff nach Okinawa von Kure aus geben wird. Als n\u00e4chstes fuhren wir weiter zu einem Internierungslager in Nagoya. Auf dem ehemaligen Gel\u00e4nde der Mitsubishi Heavy Industries Ltd. war ein Internierungslager f\u00fcr Einwohner von Okinawa. Nachdem wir etwa einen Monat dort interniert waren, kehrten wir nach Miyako-jima zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Miyako-jima unmittelbar nach dem Krieg<\/p>\n<p>\u3000Ich denke aufgrund der herrschenden Lebensmittelknappheit, waren es sehr schwere Zeiten in Miyako-jima. Ich wohnte f\u00fcr etwa Jahr bei meinem Onkel. Es gab zu dieser Zeit in Miyako-jima Lebensmittelrationen und Kleiderspenden von der US-Milit\u00e4rregierung. Wir Kinder, die aus den \u00dcberseegebieten zur\u00fcckgekehrt waren, wurden bei der Verteilung der Rationen bevorzugt. Diejenigen die nur aus der n\u00e4heren Umgebung zur\u00fcckkehrten, wurden nichts bevorzugt. Wir zwei Geschwister waren aus der Mandschurei evakuiert worden, deshalb erhielten wir im Haus meines Onkels relativ viele Rationen. Die Rationen bestanden aus Eigelb in Dosen, und anderen Konserven. Es gab auch amerikanische Kinderkleidung, die Hosen und Hemden waren f\u00fcr uns japanischer Kinder viel zu gro\u00df und wurden kostenlos verteilt.<br \/>\n\u3000In jenen Tagen gab es Schmugglerboote. Die Taiwaner waren damals gro\u00df im Schmuggelgesch\u00e4ft. Wenn ich h\u00f6rte, das ein taiwanisches Schmugglerboot einlief, rannte ich hin und da ich ein paar Brocken Chinesisch sprach, erhielt ich Konservendosen und andere Dinge f\u00fcr umsonst, wenn ich mich mit den Schmugglern unterhielt. Die Sachen die ich bekam brachte ich zu meinem Onkel und er freute sich, dass ich solche n\u00fctzlichen Kenntnisse besa\u00df. Auf diese Art und Weise haben wir gelebt und \u00fcberlebt.<\/p>\n<p>Arbeit und Studium<\/p>\n<p>\u3000Meine Schwester lebte und arbeite als Haushalthilfe bei einem Zahnarzt namens Takehara. Mit ihrer Hilfe konnte ich dort als Lehrling anfangen und arbeitet in der Zahnklinik. Nach einer Weile erhielt ich die Chance einen speziellen Kurs an der Miyako Highschool zu besuchen. Ich bin bis dato nicht zur Schule gegangen und konnte nicht lesen, aber ich entschied trotzdem den Kurs zu besuchen. Um lesen zu lernen nutzte ich den Buchverleih. Ich lieh mir jede Menge Manga aus. Ich lieh mir immer B\u00fccher mit Furigana (phonetisches Alphabet) aus. Das war es, was ich brauchte. Ich lieh mir B\u00fccher mit Furigana aus und lernte mit ihrer Hilfe eifrig Schriftzeichen. Ich wusste nicht wie man ein W\u00f6rterbuch benutzte oder die Bedeutung der Strichfolge. Ich studierte auf meine eigene Weise und brachte mir so die Benutzung des W\u00f6rterbuchs bei.<br \/>\n\u3000Enthusiastisch besuchte ich den Kurs an der Highschool. Ich las in einem Buch \u00fcber Zahntechnik und Zahnmedizin und fing schrittweise an es zu verstehen. In mir wuchs so die Zuversicht, dass ich den Kurs bestehen werde. Je mehr ich verstand, um so mehr machte mir das Lernen Spa\u00df. Ich wollte nur Zahntechniker werden, kein Zahnarzt, aber jedesmal wenn ich medizinischen B\u00fccher las, dachte ich bei mir: \u201eAlles klar, so ist das gedacht\u201c, und verstand immer mehr. Das n\u00e4chste Problem stellte das Englisch in den medizinischen Schriften dar. Ich wollte wissen, worum es in den englischen Abschnitten ging, fragte die \u00e4lteren Sch\u00fcler um Rat und lernte selber Englisch. Letztendlich war ich in der Lage alles zu verstehen. Ich geh\u00f6rte zum ersten Jahrgang des Abendkurses an der Miyako Highschool, aber noch bevor ich abschlie\u00dfen konnte, zog die Takehara Zahnklinik, wo ich arbeitete nach Okinawa auf die Hauptinsel um.<\/p>\n<p>Umzug auf die Hauptinsel und Englisch lernen<\/p>\n<p>\u3000Ich hatte den Abendkurs an der Miyako-jima Highschool besucht und nach dem Umzug der Zahnklinik nach Okinawa Stadt konzentrierte ich mich weiter auf das Englisch lernen. In Okinawa lebten viele Amerikaner und auch unter den Patienten waren viele Amerikaner. Ohne ihre Sprache zu kennen, kann man sich nicht verst\u00e4ndigen, dachte ich mir und fing mit dem Englisch lernen an. Um Englisch zu lernen ging ich zum amerikanischen St\u00fctzpunk in Nakagusuku. Eines Tages regnete es stark, die Frau einer der Soldatenfamilien dort bot mir einen Regenschirm an. Ich verstand nur das Wort Regenschirm, aber nicht das ich ihn nehme und damit nachhause gehen sollte. W\u00e4hrend ich so dastand erkl\u00e4rte sie es mir mit Gesten, dass ich den Regenschirm nehmen soll. Ich bedankte mich auf Englisch und lief nachhause.<\/p>\n<p>Gedanken \u00fcber die Nachkriegsjahre<\/p>\n<p>\u3000Wenn ich heute zur\u00fcckblicke, denke ich nicht, dass ich der einzige bin der solche Entbehrungen erlebt hat. Diese Erfahrungen waren ganz normal f\u00fcr die Kinder dieser Zeit. Ich denke auch nicht, dass ich es besonders schwer hatte nach meiner Heimkehr aus der Mandschurei. Am meisten war ich dar\u00fcber erschrocken, dass ich das Lesen und Schreiben verlernt hatte. Kanji, Katakana, Hiragana, ich konnte mich an nichts mehr erinnern. Menschen die gro\u00dfe Angst erleben und durch schreckliche Zeiten gehen, verwandeln sich in Dummk\u00f6pfe, dass habe ich am eigenen Land erlebt.<\/p>\n<p>Wie ich mich durchk\u00e4mpfen konnte<\/p>\n<p>\u3000Ich denke ich habe es so weit gebracht, weil ich niemals verlieren m\u00f6chte. Dieses Gef\u00fchl war bei mir st\u00e4rker als bei anderen Leuten, Selbst meinen Freunden wollte ich mich nicht geschlagen geben. Meine gleichaltrigen Freunde hatten die Mittel- und Oberschule besucht und abgeschlossen und obwohl ich nicht zur Schule gegangen bin, wollte ich mich ihnen nicht geschlagen geben. Diese Denkweise hat mich angetrieben.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Um was ich die jungen Leute von heute bitten m\u00f6chte, bitte lasst nicht zu, dass noch einmal so ein Krieg geschieht. In der Zeit in der Mandschurei, von meinem 9. bis zu meinem 13. Lebensjahr, habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ich meinen Freunden in Okinawa voraus habe. Ich habe Schneelandschaften und W\u00f6lfe gesehen. Wenn wir in die Berge gingen, haben wir wilde Trauben gepfl\u00fcckt und gegessen. Um diese Erfahrungen bin ich reicher als die Leute aus meinem Heimatort, die ihr ganzen Leben nur in Okinawa gelebt haben. Geht hinaus in die Welt solange ihr jung seid und lebt ein reichhaltiges Leben.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Herr Keisei Kawamitsu war der regionale Leiter der Japanischen Vereinigung der Zahntechniker<br \/>\nund diente ab 1995 als Pr\u00e4sident des Zahntechniker-Verbandes von Okinawa. Er erhielt den Preis des Ministers f\u00fcr Gesundheit und Wohlfahrt im Jahr 2000 f\u00fcr seine Beitr\u00e4ge zur zahnmedizinischen Versorgung und der Arbeit in den verschieden Verb\u00e4nden<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Pionier in die Mandschurei \u3000Mein Heimatort Karimata in Miyako-jima war ein armes Dorf. Nur der \u00e4lteste Soh [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archive"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=136"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":876,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136\/revisions\/876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}