{"id":150,"date":"2022-01-28T15:08:14","date_gmt":"2022-01-28T06:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=150"},"modified":"2022-05-14T12:00:14","modified_gmt":"2022-05-14T03:00:14","slug":"%e6%88%a6%e4%b8%ad%e3%83%bb%e6%88%a6%e5%be%8c-%e4%bc%8a%e6%b1%9f%e5%b3%b6%e3%82%92%e8%a6%8b%e3%81%a4%e3%82%81%e3%81%a6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/150\/","title":{"rendered":"Ein Blick auf Ie-jima w\u00e4hrend und nach dem Krieg"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Ie-Jima vor der Versch\u00e4rfung des Krieges<\/p>\n<p>\u3000Ich war w\u00e4hrend der Schlacht um Okinawa sieben Jahre alt. Im Jahr 1943 begann der Bau eines Flugplatzes auf der Insel Ie-jima. Als ein japanischer Milit\u00e4roffizier in den \u00f6rtlichen Kindergarten geritten kam, erinnere ich mich, dass ich dachte, japanische Soldaten sind cool, aber auch ein bisschen unheimlich. Meine Familie bestand aus meinen Eltern, meinen vier \u00e4lteren Schwestern und mir, also insgesamt sieben Personen. Ich erinnere mich an die Landung des US-Milit\u00e4rs, weil unsere Familie die ganze Zeit auf Ie-jima blieb.<\/p>\n<p>Leben im Luftschutzbunker<\/p>\n<p>\u3000Ich denke es war am 13. oder 14. April 1945, als unser strohgedecktes Haus von den US-Truppen niedergebrannt wurde. Es war nur vier oder f\u00fcnf Meter von dem Unterstand entfernt, in dem wir Schutz suchten. Alles was uns blieb war das brennende Haus anzuschauen. Wir konnten keinen einzigen Tropfen Wasser darauf gie\u00dfen, weil die US-Flugzeuge am Himmel kreisten. Wie f\u00fchlte uns nicht mehr in Sicherheit. Alle unsere Verwandten versammelten sich und 25 Leute suchten in einem kleinem Bunker Zuflucht, mit verschr\u00e4nkten Armen und unf\u00e4hig unsere Beine auszustrecken.<br \/>\n\u3000Nach vier Tagen im Bunker h\u00f6rten wir aus einem kleinem W\u00e4ldchen, das 200 Meter s\u00fcdlich von unserem Unterschlupf war, Musik, die wir noch nie zuvor geh\u00f6rt hatten. Wir f\u00fchlten uns nun auch in dem Bunker nicht mehr sicher und fl\u00fcchteten zu unserem Familiengrab. F\u00fcr die Erwachsenen war das Innere eines Grabes ein Ort des Todes. Wenn man stirbt wird man in ein Grab gebracht. Wenn wir hier sterben, machen wir niemandem \u00c4rger sagten sie und wir begaben uns zum Grab. Da wir nur mit den Kleidern auf dem Leib dorthin geflohen waren, hatten wir keine Lebensmittel mitgenommen. Wir hatten nur eine 1.8 l Flasche Wasser dabei. Unterwegs trafen wir auf einen japanischen Soldaten und als wir ihm Wasser anboten, trank er alles auf einmal aus. Wir hatten also weder Wasser noch Essen.<br \/>\n\u3000Wenn wir ins Dorf gelangen w\u00fcrden, h\u00e4tte es dort Nahrungsmittel und Wasser gegeben. Am n\u00e4chsten Tag versuchten wir etwas aus dem Dorf zu holen, aber es waren zu viele Amerikanische Soldaten dort und es gelang uns nicht dorthin gehen. Zur\u00fcck im Grab gingen wir diesmal in die andere Richtung, zu den Feldern. Dort gruben wir S\u00fc\u00dfkartoffeln aus und brachen 10 Stangen Zuckerrohr ab. Das haben wir gekaut und roh gegessen. Weil es Krieg war, flohen die Rinder und Pferde aus ihren St\u00e4llen. Verletzt suchten sie nach Wasser und brachen an den Teichen vor Ersch\u00f6pfung zusammen. Ihre verrottenden Kadaver waren von Maden \u00fcbers\u00e4t. Wir holten Wasser aus so einem Teich. Als es drau\u00dfen hell wurde, wollte ich von dem Wasser trinken und sah, dass f\u00fcnf Maden in der Flasche schwammen. Wir konnten das Wasser nicht einfach wegsch\u00fctten. Es gab einfach kein anderes Wasser. Ich steckte ein St\u00fcck Schnur in die Flasche, fischte die Maden heraus und trank das Wasser.<br \/>\n\u3000Am Abend des 21. April, normalerweise flogen die US-Flugzeuge immer bis Sonnenuntergang, aber nicht an diesem Tag. Auch des Nachts war von den US-Schlachtschiffen, die sich uns immer n\u00e4herten und mit Gesch\u00fctzfeuer bombardierten, nichts zu h\u00f6ren und sehen. Die Erwachsenen verlie\u00dfen das Grab und sagten wir sollen alle herauskommen. Als wir aus dem Grab herauskamen, riefen sie: \u201eSchaut dort hin\u201c und wir sahen eine wei\u00dfe Flagge auf dem Gipfel des Mt. Gusuku wehen. \u201eJapan hat verloren&#8220;, riefen sie. \u201eDer Krieg ist vorbei\u201c. Ich war darauf vorbereitet in der Gruft zu sterben. Wir waren hierher gekommen, um zu sterben. Obwohl uns gesagt wurde der Krieg ist vorbei, verliessen wir nicht das Grab.<\/p>\n<p>Gefangennahme und Leben im Internierungslager<\/p>\n<p>\u3000Am n\u00e4chsten Morgen, dem 22. April, kamen einige amerikanische Soldaten und riefen immer wieder in gebrochenem Japanisch: \u201eKommt heraus, kommt heraus. Keine Kugeln, Obst geben\u201c Niemand verlie\u00df das Grab, weil die Erwachsenen sagten: \u201eHier ist der Ort zum Sterben. Verlasst das Grab nicht. Wenn ihr geht, werdet ihr get\u00f6tet. Wenn man hier stirbst, kommt man in den Himmel\u201c. Alle blieben im Grab.<br \/>\n\u3000Die amerikanischen Soldaten entfernten sich und kamen wieder zur\u00fcck. Eine Gasgranate wurde in die Gruft geworfen. Es gab ein explodierendes Ger\u00e4usch, und wei\u00dfer Rauch f\u00fcllte das Grab. In einer Sekunde eskalierte die Situation. Ich konnte wegen der Gasgranate nichts sehen, der Rauch schn\u00fcrte mir die Kehle zu und ich konnte nicht mehr atmen. Ich hielt es nicht mehr aus und rannte nach drau\u00dfen. Weil ich das Gas inhaliert hatte konnte ich nicht mehr sprechen. Ich war f\u00fcr etwa sechs Monate stumm.<br \/>\n\u3000Wir wurden mit einem US-Milit\u00e4rlastwagen in ein Kriegsgefangenenlager in Nagarabama gebracht. Im Nagara-Lager wurden wir zuerst nackt ausgezogen. Alle, M\u00e4nner, Frauen und Kinder mussten einer nach dem anderen in F\u00e4sser mit einer Art Petroleum steigen. Sp\u00e4ter erfuhren wir, dass es sich um ein Desinfiziermittel handelte In diese F\u00e4sser wurden wir einzeln bis zum Scheitel hineingetaucht und wieder herausgezogen. Die Erwachsen erz\u00e4hlten mir sp\u00e4ter, dass in der L\u00f6sung Fl\u00f6he und L\u00e4use schwammen. Jedes Mal, nachdem jemand ausgestiegen war, wurden die Fl\u00f6he und L\u00e4use entsorgt, die L\u00f6sung aufgef\u00fcllt und die n\u00e4chste Person musste hinein. Auf diese Weise wurden die Fl\u00f6he und L\u00e4use bei den Kriegsgefangenen entfernt. Ich hatte Angst, als die amerikanischen Soldaten mich in das Fass tauchten. Ich hatte zwar Angst, aber es war keine Angst vor dem Tod. Ich war immer darauf vorbereitet gewesen, wegen des Krieges zu sterben. Danach wurden wir nach Tokashiki auf den Kerama-Inseln gebracht, die von Ie-jima aus zu sehen sind. Ich fragte mich, ob wir hier get\u00f6tet werden und sie irgendwo unsere Leichen entsorgen werden.<\/p>\n<p>Leben auf Tokashiki<\/p>\n<p>\u3000Ich glaube es war Anfang Mai, als die Bewohner von Ie-jima in mehrere Gruppen aufgeteilt und mit LST-Schiffen (PanzerLandungsschiffe) auf die Insel Tokashiki gebracht wurden. Die Bewohner der Insel Tokashiki waren in die Berge geflohen, deshalb gab es viele leerstehende H\u00e4user. Wir, die Bewohner von Ie-jima, wurden in diesen leerstehenden H\u00e4usern untergebracht. Das leerstehende Haus, in dem ich wohnte, war ein sch\u00f6nes Haus mit einem Ziegeldach. Sechs Familien wurden dort untergebracht. Solange das US-Milit\u00e4r auf der Insel Tokashiki war, gab es keine Lebensmittelknappheit, weil sie Hilfsg\u00fcter verteilten. Das \u00e4nderte sich nach dem Abzug des US-Milit\u00e4rs auf die Hauptinsel Okinawa. 1000 Bewohner von Ie-jima wurden auf die Insel Tokashiki umgesiedelt, die urspr\u00fcnglich nur 400 bis 500 Einwohner hatte. Es gab keine Basis, um Nahrung f\u00fcr alle zu erzeugen. Es gab einige Felder, aber die waren alle in Terrassen angelegte Reisfelder. Wir pflanzten S\u00fc\u00dfkartoffeln an, aber es waren eben keine Kartoffelacker. Deshalb reichte die Ernte immer nur f\u00fcr zwei, drei Tage. Es gelang uns nicht eine Produktionsbasis zu schaffen und es war sehr schwierig das Leben auf Tokashiki fortzusetzen. Die Bewohner der Tokashiki-Insel pflegten zu fischen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, davon hatten wir aber keine Ahnung. Wir kannten nur die Landwirtschaft.<br \/>\n\u3000Wir wurden im Mai nach Tokashiki gebracht wurde und es war danach, dass die Bewohner von Tokashiki aus den Bergen, in die sie geflohen waren, zur\u00fcckkehrten. Im Juni denke ich. Unsere MItsch\u00fcler aus Tokashiki, die wir in der Schule trafen hatten auff\u00e4llige Messernarben am Kopf und an den Armen und Beinen, waren aber ansonsten quicklebendig. Als wir sie befragten, erz\u00e4hlten sie, dass viele Leute bei Gruppenselbstmorden ums Leben gekommen sind. und das sie \u00dcberlebende sind. Ich h\u00f6rte, dass sich die Leute zu den Gruppenselbstmorden im Kreis hingesessen haben.<br \/>\n\u3000Im Juni pfl\u00fcckten wir in den Bergen die Beeren des Gumi Baumes (eine Art der Oliven). Das reicht meist nur f\u00fcr eine Mahlzeit, wir konnten nicht genug f\u00fcr drei Mahlzeiten am Tag sammeln. Also pfl\u00fcckten wir Sprossen von B\u00e4umen und a\u00dfen Palmfarn. Nachdem wir alle Palmfarne aufgegessen hatten, a\u00dfen wir die Gr\u00e4ser am Stra\u00dfenrand. Sprossen, Bl\u00e4tter wir a\u00dfen alles was nur irgendwie essbar war. Als Eiwei\u00dfquelle a\u00dfen wir Heuschrecken. Wenn ich auch nur eine Heuschrecke fing, entfernten ich die Beine und Fl\u00fcgel und a\u00df sie roh. Dann waren da noch die kleinen Eidechsen. Es gab viele verschieden Sorten von Eidechsen. Wir fingen die Eidechsen in den B\u00e4umen.entfernten ihre Beine und den Kopf und a\u00dfen sie ebenfalls roh, ohne die inneren Organe zu entfernen. So haben wir uns mit Proteinen versorgt.<\/p>\n<p>Von Tokashiki nach Motobu<\/p>\n<p>\u3000Im M\u00e4rz 1946 wurden wir von der Insel Tokashiki nach Motobu verlegt. Dort wo heute die Sesoko Br\u00fccke ist, in ein Dorf namens Kenken auf der Motobu Seite. Dort lebten wir in Zelten. F\u00fcnf bis sechs Haushalte teilten sich ein einziges Zelt. Wir wohnten dort bis zum Juli. Wir erhielten US-Milit\u00e4rrationen, aber es war immer noch nicht genug Essen da. Zum Gl\u00fcck wurden an einem nahe gelegenen Sandstrand US-Milit\u00e4rvorr\u00e4te abgeladen. Damals war ich in der zweiten Klasse der Grundschule, ich wurde von den \u00e4lteren Sch\u00fclern eingeladen mitzukommen und wir bedienten uns an den Vorr\u00e4ten. Wir bezeichneten sie als \u201eKriegstroph\u00e4en&#8220;. Wir haben nicht gestohlen, wir haben Kriegsbeute heimgebracht. Das Leckerste unter den Vorr\u00e4ten war das Eiscremepulver. Die Worte auf den T\u00fcten und Schachteln waren in Englisch, wir konnten kein Englisch lesen, also wussten wir nicht was drin war, bis wir sie \u00f6ffneten. Wenn wir sie \u00f6ffneten und das Gl\u00fcck hatten, Eiscremepulver zu finden, waren wir \u00fcbergl\u00fccklich. US Feldrationen waren auch dabei. Meine Mutter und meine Schwestern waren hocherfreut, als ich Mehl nach Hause brachte. Zwei Tage lang bedienten wir uns an den verschiedene Vorr\u00e4ten. Immer mitten in der Nacht. Bis etwa 10 Uhr abends gab es Wachen, also gingen wir zwischen 1 und 2 Uhr morgens, angef\u00fchrt von den \u00e4lteren Kindern und \u201eeroberten Kriegsbeute\u201c.<br \/>\n\u3000Ich besuchte die Sakimotobu-Grundschule, aber als das erste Semester endete und die Sommerferien begannen, erhielten wir vom US-Milit\u00e4r den Befehl, von Kenken in Motobu umzuziehen. W\u00e4hrend der Sommerferien im August zogen wir in ein Dorf namens Gushiken im damaligen Sakimotobu. Das Dorf lag an der Grenze zu Imadori in Nakijin. Wir bauten dort eine etwa sieben Quadratmeter gro\u00dfe Zelth\u00fctte und blieben von August bis M\u00e4rz des folgenden Jahres (1947).<\/p>\n<p>R\u00fcckkehr nach Ie-jima und Wiederaufbau<\/p>\n<p>\u3000Im M\u00e4rz 1947 kehrten wir nach Ie-jima zur\u00fcck. Bevor die Bewohner von Ie-jima auf die Insel zur\u00fcckkehrten, gingen zuerst die jungen Leute als Vorhut. Sie bauten Zelth\u00fctten als erste Unterk\u00fcnfte, setzten die Quonset Baracken (US Armee Unterk\u00fcnfte) in Stand und bereiteten alles vor, dass die R\u00fcckkehrer sofort mit dem Leben beginnen konnten. Unser Familie war in einer der Quonset Baracken untergebracht. Es gab Hilfsg\u00fcter vom US-Milit\u00e4r auf Ie-jima und bis Juni wurden ausreichend Rationen verteilt. Doch ab Juli, August gingen die Vorr\u00e4te zur Neige, und es herrschte gro\u00dfe Lebensmittelknappheit. Wir sammelten die wilden S\u00fc\u00dfkartoffeln und das Zuckerrohr von den Feldern.Die Felder waren seit zwei Jahren nicht mehr bestellt worden. Wir nahmen, was wild auf ihnen wuchs und a\u00dfen es. W\u00e4hrenddessen vergewisserten wir uns, dass es unser Feld war und pflanzten S\u00fc\u00dfkartoffeln an. So waren wir in der Lage irgendwie durchzukommen.<br \/>\n\u3000Die Felder waren seit zwei Jahren nicht mehr bestellt worden und v\u00f6llig verwahrlost. Das US-Milit\u00e4r hatte sie mit schwerem Ger\u00e4t niedergewalzt und es schwierig war, sie zu bestellen. Der Boden war so hart, dass selbst ein Erwachsener ihn nicht mit einem Schlag der Hacke aufbrechen konnte. Wir, mit der Kraft der Grundschulkinder mussten zwei- oder dreimal ausholen um auch nur etwas Boden aufzubrechen. Obwohl wir noch in der zweiten Klasse der Grundschule waren, halfen wir dabei, das \u00d6dland zu kultivieren. Eines Tages suchte ich nach wildgewachsenen S\u00fc\u00dfkartoffeln. Ich fand einige gro\u00dfe und reife S\u00fc\u00dfkartoffeln auf einem Feld und als ich sie ausgraben wollte kam ein Sch\u00e4del zum Vorschein. Ich war total erschrocken und grub alles wieder ein und rannte davon, ohne die Kartoffeln mitzunehmen.<br \/>\n\u3000Im Lebensmittellager des US-Milit\u00e4rs gab es eine gro\u00dfe Ratte und ich war sehr froh, als es mir gelang sie zu fangen. Ich nahm eine der herumliegenden leeren Flaschen und zerbrach sie. Ich benutzte die Scherbe, um die Haut der Ratte einzuritzen. Dann riss ich einige Graswurzeln heraus, steckte sie in die Wunde und blies hinein. Dadurch schwoll sie an und die Haut l\u00f6ste sich vom K\u00f6rper. Ich sch\u00e4lte die Haut ab, und nahm das Fleisch mit nachhause. Das Fleisch war eine wertvolle und leckere Eiwei\u00dfquelle. Sie war selbst f\u00fcr eine Ratte riesig. Wahrscheinlich weil sie eine Menge leckerer Sachen gegessen hat, dachte ich mir. Da wir keinen Topf hatten, benutzten wir eine leere Dose aus der US-Milit\u00e4rversorgung, um aus der Ratte eine Suppe zu kochen und das Fleisch zu braten.<\/p>\n<p>Das Schulleben in Ie-jima<\/p>\n<p>\u3000Als wir nach Ie-jima zur\u00fcckkehrte, war ich alt genug, um in die vierte Klasse zu gehen. Aber da ich bis dato nicht wirklich in die Schule gegangen war, sagte meine Mutter, ich solle in die dritte Klasse gehen. Deshalb schloss ich die Grundschule und die Junior High School ein Jahr sp\u00e4ter ab als die Kinder in meinem Alter. Die Grundschule war in einer Quonset-Baracke wiederer\u00f6ffnet worden, aber bei jedem Taifun wurde sie umgeblasen. Ab der vierten Klasse hatten wir Schulb\u00fccher. Bis zur dritten Klasse hatten wir uns Hefte gebastelt, indem wir Zements\u00e4cke zerschnitten, die Teile mit Faden verbanden, um darin abzuschreiben, was der Lehrer an die Tafel schrieb.<\/p>\n<p>Das LCT Explosion Ungl\u00fcck<\/p>\n<p>\u3000Ich war in der vierten Klasse der Grundschule. In den Sommerferien h\u00f6rte ich auf dem Heimweg vom Angeln eine laute Explosion und fragte mich, ob der Krieg wieder angefangen hatte. Es gab ein Sprichwort, dass man sich unter einem Maulbeerbaum verstecken soll, \u201eKuwaginshaado, kuwaginshaado\u201c wenn man von einem lauten Ger\u00e4usch, wie z.B. Donner, \u00fcberrascht wird. Es wurde seit langer Zeit von den alten Leuten \u00fcberliefert. Also versteckte ich mich unter einem nahegelegenen Maulbeerbaum und kehrte erst auf die Stra\u00dfe zur\u00fcck, nachdem das Ger\u00e4usch verklungen war. Als ich in Richtung S\u00fcden blickte sah ich eine gro\u00dfe schwarze Rauchwolke. Ich wunderte mich, ob eine Atombombe abgeworfen worden war, trennte mich von meinen f\u00fcnf Freunden und lief nach Hause. Sp\u00e4ter erfuhr ich, dass es sich um die \u201eLCT-Unfall\u201c genannte Explosion gehandelt hatte. Ich habe die Explosionsstelle selbst nicht gesehen, aber es gab viele Opfer auch unter meinen Verwandten.<br \/>\n\u3000Die Leute fuhren nach Nakijin, wo sie im Krieg evakuiert waren, um die Gebeine der dort Verstorbenen nach Hause zu bringen. Darum hatten sich bei R\u00fcckkehr des Schiffes eine gro\u00dfe Anzahl von Leuten am Pier versammelt. W\u00e4hrend sie die sterblichen \u00dcberreste in Empfang nahmen, explodierte ein mit Munition beladenes LCT-Schiff (Panzerlandungsschiff) der US-Armee und sie wurden von der Explosion erfasst.<\/p>\n<p>Bau der Grundschule<\/p>\n<p>\u3000Um die f\u00fcnfte oder sechste Klasse herum begann der Bau unseres neuen Schulgeb\u00e4udes mit einem roten Ziegeldach. Das Fundament des Schulgeb\u00e4udes war aus so gro\u00dfen Steinen. Die Sch\u00fcler brachten einen Stein nach dem anderen mit, wenn sie zur Schule gingen und f\u00fcgten sie dem Fundament hinzu. Ich brachte jeden Tag einen Stein, etwa zwei Monate lang. Auf Anweisung der Schule passten die Lehrer am Schultor auf und Kinder, die keinen Stein mitbrachten wurden abgewiesen, bis sie einen mitbrachten. Wir waren nur Kinder, aber wir halfen beim Schulaufbau mit.<br \/>\n\u3000Der Unterricht fand nur Vormittags statt. Nachmittags gab es immer irgendwas zu tun. Als ich in der f\u00fcnften oder sechsten Klasse war, habe ich nachmittags B\u00e4ume rund um die Schule gepflanzt. Der Sportplatz war mit Kieseln aus Korallenkalkstein \u00fcbers\u00e4t, wenn ich beim Training, vor dem Sportfest st\u00fcrzte, war mein Schienbein voller Schrammen. Da ich barfu\u00df lief, hatte ich Blutblasen an den Fu\u00dfsohlen, die Nachts so sehr schmerzten, dass ich nicht schlafen konnte.<br \/>\n\u3000Nach dem Abschluss der Junior High School arbeitete ich ein Jahr lang als B\u00fcroassistent an der Ie Grundschule. Ich konnte ein Jahr verl\u00e4ngern und blieb schliesslich zwei Jahre.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000In der Grundschule gibt es jedes Jahr vor dem \u201eIrei-no-hi\u201c (Gedenktag zum Kriegsende im Juni), die Gelegenheit, \u00fcber den Frieden zu unterrichten. und ich spreche jedes Jahr (als Zeitzeuge des Krieges) etwa eine Stunde lang zu den Kindern. Wenn ich die Kinder der Schule auf der Stra\u00dfe treffe, danken sie mir daf\u00fcr, dass ich ihnen meine Geschichte \u00fcber den Krieg erz\u00e4hlt habe. Das gibt mir das Gef\u00fchl, dass es wichtig ist, \u00fcber den Krieg zu sprechen. Solange es Kinder gibt, die meinen Geschichten aufrichtig zuh\u00f6ren und solange ich die Kraft dazu habe m\u00f6chte ich meine Geschichten weitererz\u00e4hlen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Herr Uchima arbeite viele Jahre in der Gemeindeverwaltung von Ie-jima und widmete sich dieser Aufgabe mit ganzer Kraft. Auch nach seiner Pensionierung spricht er weiter mit den Kindern der Insel \u00fcber seine Erlebnisse und Leiden w\u00e4hrend und nach dem Krieg.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ie-Jima vor der Versch\u00e4rfung des Krieges \u3000Ich war w\u00e4hrend der Schlacht um Okinawa sieben Jahre alt. 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