{"id":170,"date":"2022-01-28T15:28:41","date_gmt":"2022-01-28T06:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/?p=170"},"modified":"2022-05-14T12:21:25","modified_gmt":"2022-05-14T03:21:25","slug":"%e3%80%8c%e5%af%be%e9%a6%ac%e4%b8%b8%e3%80%8d%e3%81%ae%e7%94%9f%e3%81%8d%e6%ae%8b%e3%82%8a%e3%81%a8%e3%81%97%e3%81%a6%e6%ad%a9%e3%82%93%e3%81%a0%e6%88%a6%e5%be%8c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peace-museum.okinawa.jp\/testimony\/de\/archive\/170\/","title":{"rendered":"Meine Nachkriegszeit als \u00dcberlebender der Tsushima-Maru"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p>Leben in Kunigami<\/p>\n<p>\u3000Ich wurde 1934 im Dorf Aha in Kunigami geboren. W\u00e4hrend meiner Kindheit vor dem Krieg, betrieb jeder bei uns im Dorf Landwirtschaft. Die Kinder halfen bei der Aussaat und bei der Ernte. Ich habe mich um die K\u00fche, Schweine und H\u00fchner gek\u00fcmmert und auf meine j\u00fcngeren Geschwister aufgepasst. Gef\u00fchlt, habe ich mehr im Haushalt geholfen, als zu lernen. Ich war das viert\u00e4lteste Kind von uns sieben Geschwistern.<\/p>\n<p>An Bord der Tsushima Maru<\/p>\n<p>\u3000Da waren meine Gro\u00dfmutter, meine Schwester, die auf die Dritte Pr\u00e4fektur M\u00e4dchen-Oberschule ging, mein Bruder in der sechsten Klasse und ich in der vierten Klasse. Die Verlobte meines Bruders, der in Tokyo lebte ging mit uns. Auch Tokiko, meine Cousine und Klassenkameradin, gesellte sich gegen den Widerstand ihrer Eltern zu uns. \u201eWenn Keiko geht, dann will ich auch gehen!\u201c, und sie durfte uns begleiten.<br \/>\n\u3000Unser Beweggrund f\u00fcr die Evakuierung war, dass wir unseren Vater und Bruder, wiedersehen wollten. Wir dachten auch daran Schnee zu sehen und mit dem Zug zu fahren, wenn wir auf dem Festland waren. Uns kam \u00fcberhaupt nicht in den Sinn, dass eine solche Reise mitten im Krieg gef\u00e4hrlich seien k\u00f6nnte. So gro\u00df war unsere Bewunderung f\u00fcr das Festland. Unsere Mutter stand der der Evakuierung zuerst etwas z\u00f6gerlich gegen\u00fcber, lie\u00df sich aber von meinem Bruder, dem Sechstkl\u00e4ssler, der sich besonders enthusiastisch freute, umstimmen. Meine Gro\u00dfmutter war ebenfalls zur\u00fcckhaltend, aber die Dorfgemeinschaft wollte die \u00c4lteren und die Kinder evakuiert haben. So ging sie mit uns, obwohl sie eigentlich ihr Haus in Aha nicht verlassen wollte. Die Leute im Dorf \u00fcberzeugten sie, dass sie so ihren Sohn der in Tokyo lebte, sehen k\u00f6nnte. Letztendlich kehrte sie von der Evakuierung nicht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Untergang der Tsushima Maru<\/p>\n<p>\u3000Am Abend des 22. August, wir waren an Bord der Tsushima Maru, erhielten wir die Aufforderung uns an Deck zu begeben. Unsere Familie ging nach oben und wir setzten uns zu sechst zusammen hin. Tokiko und ich schliefen in den Armen unserer Gro\u00dfmutter ein. Als ich aufwachte, trieb ich allein im Meer. Ich konnte die Stimme meiner Schwester nicht h\u00f6ren, obwohl sie doch neben mir sein sollte. Auch meine Gro\u00dfmutter war nicht mehr da. Ich rief nach ihnen: \u201eSchwester! Gro\u00dfmutter!\u201c, aber ich erhielt keine Antwort. Die Wellen wurden immer gr\u00f6\u00dfer und Feuer brannten auf der Tsushima Maru, die von einem U-Boot angegriffen worden war. Kinder schrien und ich sah Soldaten, die eins nach dem anderen ins Meer warfen, Ich trieb im Ozean und wusste nicht, was um mich herum geschah. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich vom Rest der Familie getrennt war. Sp\u00e4ter h\u00f6rte ich, dass meine Schwester und die Verlobte meines Bruders von einem Boot gerettet wurden. Die Gezeitenstr\u00f6me nach Norden und S\u00fcden, hatten uns getrennt. Tokiko und ich wurden nach S\u00fcden getrieben und die anderen nach Norden und landeten in Kagoshima.<br \/>\n\u3000Nach einer Weile war ich wieder mit einer weinenden Tokiko vereint. Ich munterte sie auf, dass sie wenn sie weint nicht Ausschau halten kann. Wir hielten uns an vorbei treibenden Sojaso\u00dfenf\u00e4\u00dfern fest und trieben so auf dem Wasser. Pl\u00f6tzlich wurden wir von einer gro\u00dfen Welle getroffen. Tokiko verlor ihren Halt am Fass und blieb f\u00fcr immer verschwunden. Ich suchte nach ihr, konnte sie aber nicht wiederfinden. Ich bekam gro\u00dfe Angst. Tokiko war weg und die Leute wurden von den Wellen verschlungen und ihre Leichen trieben an mir vorbei. Etwa 50 Meter von mir entfernt, sah ich Menschen im Wasser treiben und wusste so, dass noch jemand am leben war. Ich tauchte unter den Leichen und dem Treibgut hindurch und schaffte es auf das 50 Meter entfernte Flo\u00df zu klettern. Das Flo\u00df war nur so gro\u00df wie zwei Tatamimatten (3,3 Quadratmeter) und aus Bambus gefertigt. Dutzende Leute versuchten auf das Flo\u00df zu gelangen. Ein Mann griff mich an beiden Beinen und zog mich ins Meer. Er zerrte mich von dem Flo\u00df und versuchte selbst hinauf zu gelangen. Selbst als ich schon im Meer trieb, wurde ich st\u00e4ndig an den Beinen gezogen. Ich dachte, dass ich jetzt wohl bald ersch\u00f6pft ertrinken werde, aber ich wollte mich um jeden Preis an dem Flo\u00df festklammern. Schlie\u00dflich gelang es mir doch noch an Bord zu klettern.<br \/>\n\u3000Als der Tag anbrach, waren nur noch 10 Leute auf dem Flo\u00df. Keiner der M\u00e4nner, die die Leute ins Meer gezerrt hatten war noch da. Ein zweij\u00e4hriger Junge wurde von seiner Mutter im Arm gehalten, die anderen neun Personen waren alles Frauen.<\/p>\n<p>Abtreiben zu einer unbewohnten Insel<\/p>\n<p>\u3000Hier begann unsere Odyssee. Unsere Haut wurde von der hei\u00dfen Augustsonne verbrannt und unsere Gesichter sahen sehr \u00fcbel aus. Wenn ich heute daran zur\u00fcckdenke, ist es mir ein R\u00e4tsel wie wir auf dem Ozean treibend, sechs Tage \u00fcberleben konnten. Wir landeten auf der unbewohnten Insel Edateku, die zur Gemeinde Uken auf der Insel Amami-Oshima geh\u00f6rte. Als das Flo\u00df das Land erreichte, waren wir vor Freude \u00fcberw\u00e4ltigt und sprangen hastig von dem Flo\u00df herunter.<br \/>\n\u3000Der Morgen brach an und auf der Suche nach Wasser, liefen wir weiter ins Inselinnere. Danach warteten wir ungeduldig auf ein vorbeifahrendes Schiff. Pl\u00f6tzlich erschien ein Boot vor unseren Augen. Wir vereinten unsere Stimmen und riefen gemeinsam aus vollem Hals nach dem Boot. Ich kletterte auf einen kleinen Felsen und nach einer Weile \u00e4nderte das Boot die Richtung und fuhr auf uns zu. Ich kann nicht mit Worten ausdr\u00fccken, wie sehr ich mich in diesem Moment gefreut habe. Wir fingen alle vor Freude an zu weinen. Der Kapit\u00e4n sah mich und sagte zu mir: \u201eDas hast du gut gemacht gro\u00dfes M\u00e4dchen, eine tolle Leistung\u201c. Ich blieb trotz des Lobes stumm und schaut auf den Boden. Dann sagte er: \u201eJetzt m\u00fcsst ihr erstmal was essen\u201c. Wir erhielten eine Sch\u00fcssel mit wei\u00dfen Reis und eine Sch\u00fcssel mit weichen braunen Zucker. Wir gruben unsere H\u00e4nde in die Sch\u00fcsseln und schlangen alles in uns hinein.<br \/>\n\u3000Von den 10 Leuten auf dem Flo\u00df hatten nur 4 \u00fcberlebt. Wir wurden zur Klinik in dem Dorf, auf der gegen\u00fcberliegenden K\u00fcste gebracht. Dort nahm man sich unser an und wir erhielten Behandlung und Nahrung. Jetzt endlich f\u00fchlten wir uns wieder am Leben.<\/p>\n<p>Leben in Amami Oshima<\/p>\n<p>\u3000Eines Tages, traf ich zuf\u00e4llig einen Freund meines Vaters, Herr Tsukayama. Er nahm mich mit zu den Ort Koniya in Amami-Oshima wo er wohnte und er k\u00fcmmerte sich dort ungef\u00e4hr ein halbes Jahr um mich. Ich verbrachte meine Zeit damit auf sein neun Monate altes Baby aufzupassen und holte Herr Tsukayama immer von seinem Boot ab. Es gab zu dieser Zeit einige Luftangriffe auf Amami-Oshima und wir mussten uns manchmal Nachts in einem Luftschutzbunker verstecken. Herr Tsukayama schickte ein Telegramm an meine Mutter. \u201eKeiko ist hier, lebendig\u201c. Sie war vor Freude au\u00dfer sich als sie erfuhr, dass ich in Sicherheit war und wartete ungeduldig auf meine R\u00fcckkehr. Als ich einen Brief von meiner Mutter erhielt, versteckte ich mich, las den Brief und weinte. Ich machte mir als Kind Sorgen, der Familie Tsukayama, die mich aufgenommen hatte meine Traurigkeit zu zeigen und k\u00fcmmerte mich weiter um das Baby.<br \/>\n\u300040 Einwohner aus Aha bestiegen die Tsushima Maru, 37 von ihnen starben. Nur meine Schwester, die Verlobte meines Bruders und ich haben \u00fcberlebt. Deshalb gab es nach dem Krieg viele leere H\u00e4user in Aha. Ganze Familien hatten das Schiff bestiegen und waren gestorben.<\/p>\n<p>Heimkehr nach einem halben Jahr<\/p>\n<p>\u3000Am 22. Februar 1945, bestieg ich das Boot von Herrn Tsukayama in Amami-Oshima. Wir hielten eine Nacht in Tokunoshima und wurden dort von einem Luftangriff \u00fcberrascht. Wir sahen Boote die aus der Luft angegriffen wurden. Herr Tsukayama sagte, dass es zu gef\u00e4hrlich ist und er sein Boot nicht verlieren m\u00f6chte. Deshalb versteckten wir uns im Hafen der Insel Yoron. Wir suchten \u00c4ste in den H\u00fcgel und bedeckten damit das Boot. Abends wurde der Fliegeralarm aufgehoben. Wir \u00fcberquerten das Meer in der Nacht und trafen in Ada, Kunigami ein.<br \/>\n\u3000Meine Mutter kam nach Ada, um mich zu sehen, Sie lief durchs Dorf und suchte nach mir. Obwohl sie mich sah, erkannte sie mich nicht wieder. So sehr hatte ich mich in der kurzen Zeit ver\u00e4ndert. Zu meiner Zeit in Aha war ich immer d\u00fcnn gewesen, aber ich hatte gut gegessen in Herr Tsukayamas Haus und war gewachsen. Meine Haut war blasser geworden, ich hatte mich wirklich sehr ver\u00e4ndert. Meine Mutter erkannte mich nicht und so war ich es, die auf sie zulief und sie umarmte.<br \/>\n\u3000Ich kehrte zu unserem Haus in Aha zur\u00fcck und die erste Person, die ich traf, war Tokikos Mutter. Sie sagte sehr direkt zu mir: \u201eDu bist also in einem St\u00fcck zur\u00fcckgekommen, aber meine Tokiko hast du auf dem Meer gelassen\u201c. Ich versteckte mich und schluchzte in mich hinein. Ich stellte mir vor, was Eltern f\u00fchlten und dachte, dass ich es verdient habe, dass sie so zu mir sprach. In unserem Haus wohnte ein Soldat namens Herr Yoshida. Es wohnte einer in jedem Haus und erhielt Verpflegung. Sie wurden zu unserem Schutz in Aha stationiert. Der Soldat war ein Mitglied der Nachrichten-Einheit und mit Dienst in den Bergen beauftragt. Der Sportplatz auf dem Schulgel\u00e4nde war in einen Kartoffelacker verwandelt worden. Es gab sporadische Luftangriffe und mir wurde erz\u00e4hlt, dass es am Tag meiner Ankunft in Ada Maschinengewehrfeuer im Dorf gegeben hatte. Alle staunten dar\u00fcber, wie ich es geschafft hatte, mitten im Krieg unbeschadet heimzukommen.<\/p>\n<p>Entbehrungen auf der Flucht<\/p>\n<p>\u3000Im M\u00e4rz zog ich in eine Schutzunterkunft auf der Spitze eines Berges. Die Schlacht um Okinawa begann kurz darauf. M\u00e4rz und April verbrachten wir in den Bergen. Uns wurde gesagt, dass Japan den Krieg verloren hat, wir alle von den Amerikanern gefangen genommen werden und aus den Bergen herauskommen sollen. Wir wurden gezwungen von dem Berg herunterzugehen und versammelten uns alle in Aha. Dort wurden die Einwohner auf Schiffe geladen und in die N\u00e4he von Noha in Ogimi transportiert. Meine Mutter sprach zu mir: \u201eIch setze dich nicht noch einmal auf ein Boot\u201c \u201eDu bist von einem versunkenen Schiff zu uns zur\u00fcck gekommen\u201c \u201eWenn du wieder ein Schiff besteigst, werden die Amerikaner dich vielleicht ins Meer werfen\u201c. Anstatt das Schiff zu besteigen, rannten wir weg in die Berge.<br \/>\n\u3000Wir liefen tief in die Berge hinein, kamen auf der entgegengesetzten Seite an der Westk\u00fcste wieder heraus und flohen nach Ueshima in Hentona. In Hetona waren wir f\u00fcr etwa sechs Monate. Es gab nichts zu essen. Meine Mutter erkrankte an Malaria und war nicht in der Lage sich um ihre Kinder zu k\u00fcmmern. Wir waren damals zu viert geflohen. Meine Mutter, mein vier Jahre alter Bruder und meine siebenj\u00e4hrige Schwester. Ich lief auf einem Bergpfad die 36 km von Ueshima nach Aha in Kunigami und grub auf unserem eigenem Feld S\u00fc\u00dfkartoffeln aus. Die Kartoffeln legte ich in einen Korb und lief die 36 km wieder zur\u00fcck. Ich kochte die S\u00fc\u00dfkartoffeln, gab sie meinem Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter Waren sie aufgebraucht, machte mich erneut auf den Weg, um mehr Kartoffeln auszugraben. Irgendwann waren die S\u00fc\u00dfkartoffeln auf unserem Feld in Aha aufgebraucht. Unsere M\u00e4gen waren leer und wir wurden immer schw\u00e4cher. Mein kleiner Bruder wurde immer d\u00fcnner, sein Bauch bl\u00e4hte sich auf und er war er kurz davor zu sterben. Ich f\u00fchlte mich verantwortlich und brachte ihn zu einem Arzt, der sagte: \u201eDieses Kind ist nicht krank nur unterern\u00e4hrt\u201c. Jemand riet uns ihn mit Fr\u00f6schen und Insekten zu f\u00fcttern. In unserem Hinterhof sprangen Fr\u00f6sche herum und ich versuchte sie einzufangen. Ich schlitzte ihre B\u00e4uche auf, wusch sie, spie\u00dfte sie auf, grillte sie und bestreute sie mit Salz. So wollte ich sie meinem Bruder geben, aber er wollte sie nicht essen, weil Fr\u00f6sche dreckig sind und ihm Angst einjagen. Ich zwang ihn sie zu essen, indem ich zu ihm sagte: \u201eDu wirst sterben, wenn du das nicht isst\u201c. Meine Mutter, meine Schwester und ich fingen Fr\u00f6sche, um sie zu essen und wir begannen uns besser zu f\u00fchlen. Mein Bruder bemerkte, dass die Fr\u00f6sche eigentlich gut schmeckten und sagte zu mir: \u201eSchwester, die Fr\u00f6sche kommen immer abends raus\u201c. Wir haben auch Libellen und Zikaden gegessen.<\/p>\n<p>Das Leben direkt nach Kriegsende<\/p>\n<p>\u3000W\u00e4hrend wir auf diese Weise versuchten am Leben zu bleiben, war der Krieg zu Ende und meine Familie nahm den Bergpfad zur\u00fcck nach Aha in Kunigami. Unser Haus war vollst\u00e4ndig von Feuer zerst\u00f6rt worden, genauso wie alle anderen H\u00e4user in unserem Dorf. Nicht ein einziges war \u00fcbrig geblieben. Wir taten uns mit den \u00e4lteren M\u00e4nnern zusammen und bauten kleine H\u00fctten. So begann unser Nachkriegsleben. Direkt nach dem Krieg war unsere Schule kein Ort, an dem man lernen konnte. Im Schulgeb\u00e4ude waren Fl\u00fcchtlinge aus S\u00fcd- und Mittelokinawa untergebracht. Die Fenster waren von den amerikanischen Soldaten eingeschlagen worden und eine Menge Leute hausten in der Schule. Die Fl\u00fcchtlinge hatten nichts zu essen und verhungerten. Ich sah fast t\u00e4glich jemanden sterben. Die Leichen wurden in einen Sack gesteckt und ich habe geh\u00f6rt, dass sie die Leichen am Eingang der Bucht oder in der N\u00e4he der Gr\u00e4ber von Aha, weggeworfen haben. Eine gro\u00dfe Anzahl von Fl\u00fcchtlingen ist in Aha verhungert. Es gab auch f\u00fcr uns Dorfbewohner nichts zu essen. Es gab nichts, weil die Felder alle brach lagen. Alle machten die unterschiedlichsten Sachen um zu \u00fcberleben. Wie Salz aus Meerwasser gewinnen f\u00fcr die Miso Suppe. Sie suchten auf den abgeernteten Kartoffelfelder nach \u00fcbrig gebliebenen kleinen S\u00fc\u00dfkartoffeln und fanden so irgendwie etwas Essbares.<br \/>\n\u3000Nach einer Weile erhielten wir Versorgungsrationen von den Amerikanern und verschiedene Lebensmittel, wie Milch, Corned Beef und Pork wurden verteilt. Durch die leckeren Sachen erhielten wir alle neuen Lebensmut. Decken wurden ebenfalls verteilt und so sicherten wir unser \u00dcberleben.<\/p>\n<p>Besuch der Highschool und Leben im Wohnheim<\/p>\n<p>\u3000Mein Vater, mein Bruder und meine Schwestern kehrten aus Tokyo zur\u00fcck, was unserer Familie neue Hoffnung gab. irgendwie schafften wir es wieder S\u00fc\u00dfkartoffeln auf unseren Feldern anzubauen und uns auf diese Weise selbst zu versorgen. Ich dachte dar\u00fcber nach zur Highschool zu gehen, aber meine Familie verdiente nicht genug Geld, dass ich zur Highschool gehen konnte und es war schwierig mit meinem Vater dr\u00fcber zu sprechen, dass ich zur Schule gehen wollte. Als ich ihn endlich fragte, war er gegen meine Idee. Ich dachte bei mir, er l\u00e4\u00dft mich nicht gehen obwohl ich es m\u00f6chte. Aber er meinte, dass wir nicht genug Geld f\u00fcr das Wohnheim haben. Mir blieb nichts anderes \u00fcbrig, als meinen Wunsch aufzugeben. Zu dieser Zeit war ein ehemaliger Mitsch\u00fcler meines Vaters, der Rektor der Schule und er \u00fcberzeugte meinen Vater f\u00fcr mich. Letztendlich erlaubte er mir zur Highschool zu gehen. Es gab eine gro\u00dfe Feier, weil alle vier von uns, die zur Aufnahmepr\u00fcfung angetreten waren, das Examen bestanden und an der Schule aufgenommen wurden.<br \/>\n\u3000Ich ging zur Hentona High School, die von allen nur \u201eDie Highschool\u201c genannte wurde. Es gab ein kleines sch\u00e4biges Wohnheim mit einem Strohdach in einem alten Geb\u00e4ude. Das Essen war nicht besonders gut. Aber ich kam mit dem Mangel an gutem Essen zurecht und verbrachte drei Jahre in dem Wohnheim in Noha, Ogimi. Eines der Schulgeb\u00e4ude war eine Quonset-Baracke mit rundem Dach. (Wellblechbaracken des US-Milit\u00e4rs). Ich war Sch\u00fclerin des achten Jahrgangs an der Henoko Highschool. Unsere Textb\u00fccher bestanden aus gedruckten Bl\u00e4ttern und Notizheften. Wenn ich im Wohnheim war, kam ich kaum zum Lernen, weil ich mich st\u00e4ndig um die j\u00fcngeren Sch\u00fcler k\u00fcmmerte. Die Kinder aus den l\u00e4ndlichen Gebieten, weinten alle, wenn sie ins Wohnheim kamen. Sie schluchzten: \u201eIch will zur\u00fcck nach Yanbaru\u201c, \u201eIch will nach Hause\u201c, und \u201eDas Essen ist ungenie\u00dfbar\u201c. Es gab nur wenige Buslinien zu dieser Zeit und es war nicht einfach, f\u00fcr die Sch\u00fcler nach Hause zu gelangen. Wenn einer der j\u00fcngeren Sch\u00fcler sich erk\u00e4ltete, sorgte ich mich um ihn, kochte Suppe und handelte wie eine Krankenschwester. Ich lernte nicht sehr viel, aber ich hatte viel Freude in der Schule.<br \/>\n\u3000W\u00e4hrend meiner Schulzeit arbeite mein Vater f\u00fcr eine gro\u00dfe Baufirma in Naha. Nachdem ich die Highschool abgeschlossen hatte, erz\u00e4hlte er mir, dass es freie Stellen gibt. Ich ging nach Naha und fing in der selben Firma wie mein Vater an zu arbeiten.<\/p>\n<p>Wie ich Lehrer an meiner alten Schule wurde<\/p>\n<p>\u3000Um diese Zeit herum, h\u00f6rte ich vom Direktor meiner ehemaligen Grundschule, dass sie nicht genug Lehrer haben und er fragte mich, ob ich nicht anfangen m\u00f6chte. Freudig nahm ich das Angebot an. Meine Familie war nach Naha gezogen und ich wohnte im Haus meiner Gro\u00dfmutter. Ich wurde Assistenzlehrerin an der Aha Grundschule, auf die ich fr\u00fcher selber gegangen war. Ich erneuerte meinen Jahresvertrag als Assistenzlehrerin einige Male. Das Unterrichten passte gut zu mir und der Rektor bat mich eine richtige Lehrerin zu werden. Ich fing einen Fernkurs an der Ryukyu Universit\u00e4t an, um Kredits zu sammeln. Ich suchte mir Klassen aus, wo Professoren aus Japan, die nach Okinawa gekommen waren unterrichteten, sammelte die notwendigen Kredits, erhielt meine \u201eKlasse 1\u201c Lehrerlizenz und arbeitete weiter als Lehrerin. Ich m\u00f6chte nicht, dass Kinder heute solche Erfahrungen wie ich machen m\u00fcssen. Meine ehemaligen Sch\u00fcler sind mittlerweile gro\u00df und selber Lehrer und Rektoren geworden. Jeder von ihnen gibt sein Bestes, dass macht mich gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Meine Botschaft an die jungen Leute<\/p>\n<p>\u3000Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass die jungen Leute ein bisschen mehr Interesse an der Welt zeigen. Die Geschichte gr\u00fcndlich studieren und lernen wie sich die Gesellschaft in der Zukunft entwickeln wird. Und sie sollen herausfinden, was sie selbst f\u00fcr den Frieden tun k\u00f6nnen. Das w\u00fcnsche ich mir.<\/p>\n<hr \/>\n<p>\u3000Frau Keiko Taira arbeitete viele Jahre als Grundschullehrerin und spielte eine wichtige Rolle in der Friedensforschung. Seit ihrer Pensionierung berichtete sie als Mitglied unseres \u201eErz\u00e4hler-Clubs\u201c von den wahren Ereignissen der Schlacht um Okinawa und dem Untergang der Tsushima-Maru.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben in Kunigami \u3000Ich wurde 1934 im Dorf Aha in Kunigami geboren. 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